Europa/Deutschland schützt sich vor Einwanderern und Flüchtlingen

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von André, 4 Oktober 2013.

  1. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

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    Das ist tatsächlich auffällig.

    Da ich diese "Hart aber Fair"-Diskussion am Montag in Fragmenten verfolgt habe und deshalb etwas mehr sensibilisiert bin als vorher, frage ich mich allerdings, welche "Stellschrauben", um mal eine Fuppesfloskel zu bemühen, bearbeitet werden müssen, um eine zielorienterte Hilfe zu leisten.

    Aus meiner Sicht ist wichtig, innere Stabilität in Länder, die ihren Bürgern keine Perspektive bieten können, zu bringen. Um die Stabilität überhaupt erwarten zu können, müssten elementare menschliche Bedürfnisse und Perspektiven erst einmal (ansatzweise) befriedigt sein. Das beginnt bei Wasser- und Lebensmittelknappheit. Schon diese Dinge sind bisher zum Scheitern verurteilt.

    Ich möchte ein in der oben dargestellten Sendung vorgegebenes Beispiel bemühen, was im meiner Bewertung schon oberhalb der andere Länder treffende elementaren Wasser- und Lebensmittelknappheit liegt:

    Die EU kauft westafrikanischen Ländern Fischereirechte ab. Folge ist, dass die hochtechnisierte EU-Fangflotten den einheimischen Fischern die Fische wegfischen.

    Hier mal ein älterer Artikel: http://www.spiegel.de/wirtschaft/fi...ste-europa-kauft-die-meere-leer-a-712541.html

    Die dort genannte Summe von 160 Millionen Euro ist offenbar die Gesamtsumme, bestimmte Staaten erhalten mithin nur Bruchteile. Im genannten Beispielsfall waren das für den Staat, den ich nicht mehr weiß, nach neuen Verhandlung 2/3 Gareth Bale, also 65 Millionen Euro. Das mag vielleicht gemessen am Bruttoinlandsprodukt eines solchen Staates eine nennenswerte Größe sein, aber faktisch ist das doch beinahe gar nichts, denn ein entsprechendes BIP ist ja an sich schon eine Farce. Allein schon an diesem einen Beispiel wird deutlich, woran es hakt: "Natural Born Lieferanten" von Fisch, nämlich den betreffenden Meeresanrainerstaaten, wird die Möglichkeit genommen, Fisch für faire Preise an die Länder zu verkaufen, die vorgeblich selbst ihr Bedürfnis nach Fisch nicht stillen können bzw., um es präzise ausdrücken, die selbst ihr Überfluss-Verlangen nach Fisch nicht geregelt bekommen. Das ist Ausbeutung in Reinkultur, denn wir sollten schon sehen, was dann in der EU mit westafrikanischem Fisch für Preise erzielt werden und wie viel davon am Ende in der Tonne landet. Da ging es wohl nie um Grundbedarf und wenn ich dann sehe, dass es sich beim Kauf der Fischereirechte lediglich um ein EU-Markt-regulierendes Eingriffsmittel handelt, was für einen Appel und ein Ei erworben wird, dann mag ich eigentlich nicht mehr hinschauen. Weil es vor Ort nämlich Perspektiven, nicht nur "berufliche" sondern eben Lebensperspektiven raubt. Wer sich in Westafrika darüber mal Gedanken macht, müsste sich eigentlich entweder sofort nach Nordafrika zum Schleppenlassen aufmachen oder sich bewaffnen und zum Einmarsch in der EU blasen.

    Um die Kurve zu kriegen: Wenn menschliche Bedürfnisse und Perspektiven so zerstört werden, kann man keine Stabilität erwarten. Ohne Stabilität wird es schwer, Hilfe zu leisten.

    Der Weg dürfte sich wohl so darstellen, je nach Grundbedürfnissen der (nicht nur afrikanischen) Länder das eigene Verhalten zu überprüfen, es abzustellen, sofern das eigene Verhalten schadet, und mit den Vereinten Nationen die Grundbedürfnisse jedes einzelnen Staates so gut wie möglich zu sichern.

    Der Haken: unfaire Idioten gibt es überall, nicht nur hier sondern eben auch in den Staaten, denen geholfen werden müsste. Und das Menschsein bedingt, dass jede "Partei" immer auch den Eigennutz im Auge hat.

    "Uneigennützigkeit" ist daher ein Wort, dass man eigentlich global beinahe streichen kann, jedenfalls wenn es um materielle Fragen geht. Denn selbst die Spende an die Äthiopenhilfe dient zumindest auch der eigenen inneren Zufriedenheit nach dem Motto:

    ICH habe was getan, mir kann man nichts vorhalten.
     
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  3. Schröder

    Schröder Problembär

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    Die eigentliche Frechheit ist doch, das es den Europäern wohl wieder mal egal ist, wer sich die Kohle unter den Nagel reißt, und das die so ihrer Lebensgrundlage entzogenen einheimischer Fischern davon nicht viel sehen werden. Immer schön anderer Existenzgrundlagen vernichten und dann aber Zäune hoch, die Opfer lieber ersaufen lassen und die Schlepper dafür verantwortlich machen, wofür man selber in 1. Linie die Verantwortung trägt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9 Oktober 2013
  4. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Warum soll denen* das denn in anderen Ländern nicht egal sein, hier ist es ihnen* doch auch egal.

    * und das sind auch nicht "die Europäer", sondern
     
  5. Schröder

    Schröder Problembär

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    Nun, es sind die Regierungen der einzelnen Länder und die werden vom Volk gewählt.
     
  6. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Also ich hab gewählt, ich bin aus Europa und mir isses nicht egal.
     
  7. KGBRUS

    KGBRUS SF Dschungelkönig 2016

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    Nur wird eine "globale Lösung" ungleich schwieriger. Und wenn sich die Länder zumindest selbst ernähren können wäre schon viel erreicht.
    Zu den Produkten zu fairen Preisen
    Da denkst du weiter als ich. Ich denke wenn wir es hin bekommen, das zumindest die Ernährung durch selbst produzierte Waren in den Ländern sichergestellt ist, ist schon viel gewonnen.
     
  8. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Das eine hat mit dem anderen aber nix zu tun. Wer in Afrika hungert, der macht sich nicht auf den Weg nach Europa. Das sind ganz andere, die ganz andere Probleme haben.
     
  9. Schröder

    Schröder Problembär

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    Meinetwegen, dann den verantwortlichen Regierungen. Wenn ich mir aber so die Leser-Kommentare unter div. Berichten durchlese, scheinen die mit ihrer Meinung nicht allein zu stehen.
     
  10. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Stimmt schon, wahrscheinlich sehen das 99% der Deutschen auch so bzw. noch schlimmer.
     
  11. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Hat zwar null mit dem Thema zu tun aber da kann ich nie die Klappe halten, weil Darwin hier was in den Mund gelegt wird, was er niemals sagte:
    Darwin sagte nicht, dass die stärkste Spezies die erfolgreichere ist sondern diejenige, die sich schneller und besser an die Gegebenheiten anpasst.
    Und Evolutionstheorie sowieso natürliche Selektion, die ja mit der Weitergabe und Optimierung der Gene zu tun haben, greifen außerdem in diesem Falle eh nicht.
     
  12. Detti04

    Detti04 The Count

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    Vor allem anderen (oder besser noch: gekoppelt an alles andere wie z.B. Entwicklungshilfe oder fairere Handelsabkommen) muss mal eine vernuenftige weltweite Bevoelkerungspolitik her. Wenn z.B. in Nigeria die Bevoelkerung innerhalb gut einer Generation (von 1971 bis 2008) von 55 Mio auf 151 Mio waechst, dann muss das schlichtweg oekonomische Probleme hervorrufen. In Bangladesh sieht das uebrigens ganz aehnlich aus: von 1980 bis 2012 hat sich dort die Bevoelkerung von 80 Mio auf 160 Mio verdoppelt. Aethiopien: Von 35 Mio (1980) auf 87 Mio (2013) - wie soll das ohne massive soziale Probleme gehen?

    EDIT: Entwicklung der Gesamtbevoelkerung Afrikas: Von 483 Mio (1980) auf 1022 Mio (2012). Innerhalb einer Generation hat sich die Bevoelkerung dort also mehr verdoppelt - viel Spass mit den Folgen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9 Oktober 2013
  13. Raffelhüschen

    Raffelhüschen Forennutzer

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    Wie das kontrolliert werden kann, stelle ich mir was Verwaltung und Infrastruktur betrifft, nicht so leicht umsetzbar vor.. Ein verwandter und relevanter Punkt dabei ist nicht vorhandene Verhütung, AIDS dementsprechend ein großes Problem. Jedoch korreliert über Länder betrachtet materieller Reichtum mit der Zahl der Kinder negativ.
     
  14. Schröder

    Schröder Problembär

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    Italien hat derweil die toten Flüchtlinge postum zu italienischen Staatsangehörigen erklärt. Die noch Lebenden müssen weiter mit Strafverfahren und Ausweisung rechnen. Auf gut Deutsch: Nur ein toter Flüchtling ist ein guter Flüchtling. :suspekt:

    http://www.stern.de/politik/ausland/lampedusa-nur-ein-toter-fluechtling-wird-europaeer-2063507.html
     
    Zuletzt bearbeitet: 10 Oktober 2013
  15. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Ne, auf gut Deutsch: Das ist einfach eine sog. fromme Geste.
     
  16. Schröder

    Schröder Problembär

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    Fromm sein kann jeder. Einige anscheinend nur, wenn´s nix kostet. Ich nenn es zumindest nur Zynismus.
     
  17. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Ja und?
    Es ist für viele sowas von wurscht, ob die toten Menschen im Nachhinein zu Itlienern werden oder nicht und spürbare Auswirkungen auf das Leben anderer hat es auch nicht.
    Es ist einfach eine Geste, die Du vielleicht komplett überflüssig findest, die mir auch wenig gibt aber das spielt doch auch keine Rolle, denn es ist eine gut gemeinte Geste - nicht mehr.
     
  18. Schröder

    Schröder Problembär

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    Gut gemeint ist immer noch das Gegenteil von gut gemacht. In 1. Linie ist es mal ein Schlag ins Gesicht der Überlebenden, die mit ihren Strafen dann wohl die Beerdingungskosten finanzieren dürfen, bevor sie wieder nach Hause ins Elend geschickt werden.

    Da frag ich mich doch echt, ob´s die Ertrunkenen nicht am Ende sogar besser erwischt hat.
     
  19. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Gut gemeint ist wie immer schlecht gemacht, denn die Message ist tatsächlich:

     
  20. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Andererseits...stimmt schon, ein recht übler Nachgeschmack bleibt: Man muss erst sterben um Europäer zu werden.

    Ok, doch 'ne recht seltsame Geste - je nachdem wie man sie betrachtet.
     
  21. Schröder

    Schröder Problembär

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    Vielleicht sollte man mal den Leichnam eines ausgewiesenen Flüchtlings zurück nach Italien schicken, wenn er nach der Rückkehr in die Heimat im Bürgerkrieg getötet wurde oder verhungert ist. Mal sehen, ob sie den dann auch nachträglich einbürgern. In jedem Fall wäre das eine makabere, aber auch aufsehenerregende Aktion. Die Anklage wäre deutlich: Der könnte noch leben, hättet ihr ihn nicht zurück geschickt.
     
  22. pauli09

    pauli09 2. Ewige Tabelle "1gg1"

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    das gilt dann aber auch für das opfer eines verkehrsunfalls.
    die kausalität ist die gleiche.
     
  23. pauli09

    pauli09 2. Ewige Tabelle "1gg1"

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    ich find sie einfach zynisch.
     
  24. Schröder

    Schröder Problembär

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    Ich find's schon 'n Unterschied ob ich jemanden zurück auf die Straße schicke oder zurück in ein Minenfeld.