Enatzinterview im Der Westen

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von HESSENZEBRA66, 27 Dezember 2007.

  1. HESSENZEBRA66

    HESSENZEBRA66 Kinzigtaler

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    Wie bitter!!! :frown:

    Der Westen:
    Herr Dietz, Sie waren beim MSV, bei Schalke und beim VfL Bochum. Für Borussia Dortmund haben Sie kurzfristig mal als Spielerbeobachter gearbeitet. Für welchen Verein schlägt Ihr Herz?

    Duisburg, ganz klar. Dort bin ich Profi geworden, wurde Nationalspieler. Wobei ich ein Ruhrgebietsjunge bin. Ich hatte fünf tolle Jahre in Schalke. Sieben wunderschöne Jahre in Bochum. Mein Herz schlägt für alle, aber die Hauptschlagader schlägt für Duisburg. Als ich 88 mein Abschiedsspiel gemacht habe, da war klar, das geht nur in Duisburg. Ich hätte es auch auf Schalke machen können, da hätten 70.000 Zuschauer reingepasst, aber ich habe gesagt, wenn man was macht, dann muss man es in Duisburg machen, weil da habe ich alles erreicht, da war ich zwölf Jahre, das ist meine Heimat.

    Ihr Name ist ja auch in aller Welt mit dem MSV Duisburg verknüpft. Hier haben Sie als Profi selbst gespielt, hier haben Sie auch die Amateure und kurzfristig sogar die Profis trainiert.

    Ja, die Profis habe ich sechs Spiele lang trainiert, weil Walter Hellmich (Präsident des MSV, Anm. d. Red.) mich angesprochen hatte. Die Duisburger standen am Rande der Abstiegszone, und da habe ich fünf Mal gewonnen. Da lag mir alles zu Füßen, die Zuschauer, alles.

    Trotzdem wurde später Norbert Meier verpflichtet. Warum sind Sie nicht geblieben?

    Weil ich so einen Dickkopf habe. Ich hatte mir nun mal vorgenommen, dass ich nur den Rest der Saison als Trainer zur Verfügung stehen würde. Für diese Entscheidung hätte ich eigentlich Prügel kriegen müssen. Was mich auch geärgert hat: Dem MSV ist damals der Vasile Miriuta, Stürmer von Cottbus, angeboten worden. Hellmich fragte mich nach meiner Meinung zu diesem Spieler, und ich habe erklärt, dass Miriuta nicht zum MSV passe. Miriuta sei ein toller Fußballer, aber wir bräuchten Arbeiter, die kämpfen. Zwei Tage später lese ich, Miriuta war verpflichtet worden.

    Jetzt ist Duisburg, der Verein, den Sie immer als Ihre Heimat bezeichnen, wieder Tabellenletzter. Juckt es Sie da nicht in den Fingern, vielleicht doch nochmal zum MSV zurückzukommen? Vielleicht sogar als Trainer?

    Ne, als Trainer nicht.

    Wieso nicht?

    Walter Hellmich kann keinen mit einem großen Namen neben sich haben. Sehen Sie mal: Duisburg ist die einzige Mannschaft in der Bundesliga, die keinen ihrer verdienten Spieler irgendwie integriert hat. Alle anderen haben ihre Spieler eingesetzt, zum Beispiel fürs Scounting. Bei uns ist nur der Peter Danzberg, und der macht nur die Briefe auf, Fanpost und so weiter. Ansonsten ist kein ehemaliger Spieler beim MSV. Für die Betreuung der VIP-Leute oder so.

    Aber das hätten Sie für den MSV gerne gemacht?


    Das geht ja nicht mehr. Jetzt bin ich weg. Als ich nach Duisburg gegangen bin, habe ich gesagt, das wird meine letzte Station sein. Mir ist nur Ahlen dazwischen gekommen. Das hat Hellmich gut nach außen verkauft, indem er sagte, mir sei die Fahrerei zu viel geworden. Das ist doch Quatsch! Ich bin jedes Jahr Tausende Kilometer gefahren, das hat mir überhaupt nichts ausgemacht. Aber jetzt werde ich nichts Anderes mehr machen. Jetzt ist es vorbei, dafür bin ich auch zu alt mittlerweile.

    Man hört da aber schon ein bisschen Verbitterung heraus.

    Ja, ein bisschen bitter bin ich schon. Wir wollten damals, als Norbert Meier engagiert wurde, eigentlich ein Kompetenzteam bilden: Pirsig, Meier und ich. Und dann hatten die plötzlich immer Sitzungen, ohne dass ich informiert worden wäre. Du bist nie angesprochen worden. Du bist weggedrängt, an die Seite gedrängt worden. Ich war dann auch bei Autogrammstunden nicht eingeladen. Obwohl man doch eigentlich repräsentieren müsste. Ein Bernard Dietz könnte doch repräsentieren, so zum Vorzeigen!

    Aber daran hat der MSV kein Interesse?

    Nein. Ich habe von Helmut Sandrock (früherer Präsident des MSV, Anm. d. Red.) lebenslanges Stadionrecht bekommen, und früher saß ich immer an der Linie, da wo die wichtigen Leute alle sind. Heute sitze ich an der Eckfahne.

    Kommen Sie denn zu jedem Heimspiel?

    Ja, natürlich. Auch weil die ganzen alten Jungs da sind. Detlef Pirsig, Eia Krämer, Michael Bella und so. Da treffen wir uns regelmäßig, das macht Spaß. Wir treffen uns auch jeden ersten Mittwoch im Monat in Meiderich. Dann quasseln wir zwei Stunden. Das ist schön. Aber ansonsten sieht man in Duisburg keinen Bernard Dietz. Die werden auch nie wieder einen Bernard Dietz kriegen.

    Aber ist das nicht schade für den Verein?

    Ja, vor allem weil ich immer von allen mit dem MSV in einem Atemzug genannt werde. Als ich jetzt als ehemaliger Kapitän der Nationalmannschaft nach Luzern eingeladen war zu Auslosung der EM, da war klar: Bernard Dietz gleich MSV Duisburg.

    Auch bei den Fans sind sie beliebt. Das Maskottchen der Duisburger, ein weiß-blau gestreiftes Zebra, haben die MSV-Anhänger "Ennatz" getauft.

    Ja, das macht mich auch sehr stolz. "Ennatz" ist mit einer Mehrheit gewählt worden. Mich macht das sehr glücklich. Da spiele ich seit 20 Jahren nicht mehr, die Jungen kennen Dich nur vom Erzählen, und die wählen Dich dann.

    Hellmich gilt als Alleinherrscher. Ist das gut oder schlecht für den Verein?

    Die Frage kann jeder selbst beantworten. Schauen Sie sich die letzten Jahre an: Aufgestiegen, abgestiegen, aufgestiegen.

    Mit Oliver Kreuzer soll ja nun ein Manager verpflichtet werden .

    Ich hoffe es, denn ein Manager ist ein absolutes Muss für jeden Profi-Verein.

    Einmal gesponnen: Sie hätten in der Halbzeitpause des Spiels MSV – Frankfurt, das die Duisburger 0:1 verloren, in die Kabine zu den MSV-Spielern gedurft. Was hätten Sie gesagt?

    Gegen Frankfurt... Ich kann ja nur gewinnen, wenn ich mir vorne Torchancen erspiele. Aber das ist deprimierend, dass wir die ganze erste Halbzeit kaum in den Sechzehner gekommen sind. Eigentlich hätte der Frankfurter der beste Mann auf dem Platz sein müssen, so oft hätten die Duisburger aufs Tor schießen müssen. Wenn Du im Abstiegskampf steckst, dann muss vorne der Baum brennen.

    Was läuft da falsch im Moment?

    Ich weiß es nicht, ich bin nicht nah genug dran. Rudi Bommer (Trainer des MSV, Anm. d. Red.), das muss man ihm zugestehen, hat seit Wochen viele Ausfälle. Andererseits – das sind ja fast alles Muskelverletzungen. Was passiert da? Ist das eine Seuche?
     
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  3. HESSENZEBRA66

    HESSENZEBRA66 Kinzigtaler

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    Ich habe Enatz noch live in der alten Wedau in Aktion gesehen. :hail:
    Es ist eine Schande wie der Verein mit ihm und anderen ehemaligen verdienten Spielern umgeht! :motz:
    Aber warum spricht Enatz erst jetzt Klartext!?
    Fakt ist, es muss sich im sportlichen Bereich dringend etwas ändern im Verein!
     
  4. HoratioTroche

    HoratioTroche Zuwanderer

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    Ich verstehe das Interview eher so, dass sich erst in anderen Bereichen etwas ändern muss, damit sich im sportlichen Bereich was ändert.
     
  5. HESSENZEBRA66

    HESSENZEBRA66 Kinzigtaler

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    Du hast es voll erkannt.
    Walter Hellmich sollte sich zukünftig aus sportlichen Angelegenheiten raushalten und dies anderen Fachleuten (neu zu besetzendem Sportlichen Leiter/Manager und/oder Kompetenzteam) überlassen.
    Walter Hellmich sollte seine Stärken beim MSV jedoch weiterhin in den wirtschaftlichen Punkten einbringen.


    Und nun Allen einen Guten Rutsch; bis nächstes Jahr... :huhu: