Diskussion um die Pendlerpauschale

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Rupert, 4 Mai 2011.

  1. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Achtung: Reizthema ;)

    Wie ich gestern mitbekam, gibt's jetzt eine Diskussion die Pendlerpauschale zu erhöhen, weil ja die Benzinpreise auf Rekordniveau liegen.

    Ich verstehe das jetzt nicht so ganz.

    Dieser Rechner sagt mir, dass ein Pendler, der 220 Tage im Jahr arbeitet und
    - 50km / Tag zur Arbeit hin- und zurückfährt 1650€ absetzen kann
    - 100km / Tag zur Arbeit hin- und zurückfährt 3300€ absetzen kann.

    Bei einem Preis von 1,70 € / 1l Super und einem Verbrauch von 8l / 100 km hat er im Jahr Benzinkosten von
    - 1500 €
    - 3000 €

    Warum muss dann da die Pendlerpauschale hoch?

    Mal davon ab, dass ich sie sowieso für nicht allzu sinnvoll ansehe.
     
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  3. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Schlicht und ergreifend, weil da nicht nur Benzinverbrauch, sondern auch Anschaffung und Wartung eines Fahrzeuges miteingerechnet werden. Und Nah- und Fernverkehr weder zeitlich noch kostentechnisch
    wirkliche Alternativen darstellen.

    Und wieso ist eine Pendlerpauschale nicht sinnvoll?

    Letztlich wird von den Arbeitnehmern Mobilität verlangt, arbeiten sehr viele nicht an ihrem Wohnort. Könnte jeder ändern, klar, hieße aber auch sämtliche Lebensplanung der Arbeit unter zu ordnen.
     
  4. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Ah, ok, die Kosten hatte ich nicht im Kopf. Dann erklärt sich's mir.

    Ich halte es aus v.a. aus zwei Gründen nicht für sinnvoll:
    a) weil das Plus bei den Fahrtkosten durch teilweise entschieden geringere Wohnkosten längst wieder drinnen ist,
    b) weil's auf alle umgelegt, da von der Steuer abgesetzt, wird aber nicht allen zu Gute kommt und daher der Arbeitnehmer das mit seinem Arbeitgeber ausmachen sollte.
     
  5. Princewind

    Princewind Rassist und Lagerinsasse

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    a) wohnt nicht jeder in der Großstadt bzw. in Ballungszentren.
    b) ist gewollt, sehe es in Verbindung mit a) als Förderung für strukturschwache Gebiete an

    sonst haste bald nen paar Ballungszentren in Deutschland mit verlassenen Gegenden rundum.

    Und die Idee, es mitm Arbeitgeber auszumachen hört sich gut an, aber 1) welcher Arbeitgeber zahlt dir den Zuschuss zu den Fahrtkosten (freiwiilig) ? wobei dieser 2) dann nicht mehr so wie früher steuerlicher günstiger behandelt wird. Also welcher Arbeitgeber zahlt dir mehr Lohn, nur weil du nicht in der Nähe des Unternehmens wohnst?
     
  6. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    Nach dem Motto: "Früher war alles besser" sollte man es wieder so machen wie früher. Es gab nämlich mal Zeiten, da gab es die Möglichkeit, anstelle der Pauschale auch die tatsächlichen Kosten abzusetzen. Was zwar einen erhöhten Verwaltungsaufwand für den Arbeitnehmer bedeutet, da er die Kosten genau ermitteln und ggf. ein Fahrtenbuch führen muss, dennoch unterm Strich aber "gerechter" war, wenn man bedenkt, dass das Prinzip der leistungsgerechten Besteuerung gilt, welches besagt, dass jeder nur nach seinen finanziellen Fähigkeiten zu besteuern ist.

    Sol ist jetzt die Diskussion um die Pauschale überfällig, da sich die Berechnungsgrundlagen für die Pauschalen doch stark geändert haben.

    Im Sinne einer Lenkungswirkung zur Vermeidung von Fahrten ist ein solcher Freibetrag sicher nicht sonderlich geeignet. Aber das gilt es halt abzuwägen: Will man "lenken" oder fair besteuern. Beides zugleich ist nur schwer möglich
     
  7. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Naja, ich kann mich erinnern, wie ich mich damals mit meinem Kleinwagen dumm und dämlich verdient habe an den 60 Pfennig pro Kilometer. Aber das waren die 80er, da hatte der Staat ja noch Kohle en masse. Gerechtfertigt fand ich's trotzdem nicht - auch wenn ich mich nicht beschwert habe... :floet:

    Wenn, dann sollte man die Pauschale schon als Instrument nutzen, um den ÖPNV zu fördern und von der Benutzung des Autos abzuschrecken. Ausnahmen könnte man ja dann für alle machen, für die keine andere Möglichkeit besteht.
     
  8. Detti04

    Detti04 The Count

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    Andersrum wird ein Schuh draus: Wenn einem der angebotene Lohn angesichts der zu pendelnden Entfernung als zu niedrig erscheint, dann kann man die Stelle eben nicht antreten. Natuerlich lehnt aber niemand eine Stelle, fuer welche er 30 km pendeln muesste, aus finanziellen Gruenden ab - denn angesichts des Vorteils durch das zu erzielende Einkommen spielt der Nachteil der Pendelkosten keine Rolle. Gaebe es das Gesetz nicht, kaeme niemand auf die Idee, seine Kosten fuer die Pendelei vom Staat (!) ersetzt haben zu wollen; es kommt z.B. ja auch niemand auf die Idee, vom Staat eine Mittagsessenzulage zu verlangen, wenn der Arbeitgeber keine Kueche zur Verfuegung stellt, in welcher man kostenguenstig selber kochen kann. Ein solches Gesetz hielte wohl jeder fuer albern, dabei waere es nicht alberner als die Pendlerpauschale.

    Natuerlich wurde die Pendlerpauschale eingefuehrt, um ein bestimmtes Verhalten der Bevoelkerung zu foerdern, naemlich "raus aus den Innenstaedten und ins (am besten eigene) Heim im Hinterland". Das hat so gut funktioniert, dass heutzutage die grossen Staedte pleite sind, es den Kleinstaedten im Umfeld dieser Grossstaedte aber (vermutlich immer noch) gut geht, weil das in der Grosstadt erzielte Einkommen in der Kleinstadt versteuert wird. Die Pendlerpauschale ist somit heute noch ueberfluessiger, als sie es ohnehin immer schon war.
     
  9. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    So in diese Richtung sehe ich das eben auch.
    Baut sich ein Unternehmen ins JWD seine Niederlassung, warum braucht's dann Steuererleichterungen für die Rekrutierung von Mitarbeitern?
    Zieht jemand auf's Land, bzw. wohnt dort schon, warum braucht's für den Steuererleichterungen um in die Stadt zu kommen?

    Dazu kommt noch: Auch die Pendelei ist in einigen Münchner Großunternehmen zwischen Arbeitgeber und -nehmer geregelt: Da gibt's dann Werksbusse mit denen die Angestellten und Arbeiter zur Arbeit und wieder nach Hause fahren können.

    Das zum Beispiel wird in einigen Unternehmen eben schon zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber selbst geregelt.
    Sei es durch verbilligtes Essen in einem nahen Gasthaus, sei es durch Gutscheine.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4 Mai 2011
  10. Princewind

    Princewind Rassist und Lagerinsasse

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    Mal ehrlich, es gibt die Möglichkeit der Essenmarken die an Arbeitnehmer verteilt werden, die ist steuerbegünstigt etc. pp.. Also gibt es diese Zulage wirklich, nur das sie nicht in der Einkommensteuer erklärt wird sondern über den betrieblichen Bereich läuft.
     
  11. Princewind

    Princewind Rassist und Lagerinsasse

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    Komm mal von München weg und denk an MeckPom oder das platte friesische Land. Da haste keine bzw. kaum Großunternehmen und die Unternehmen die dort ansässig sind, zahlen keine so übertriebenen Gehälter wie in München. Und in die Stadt umziehen ist da auch keine Alternative, da dort die Mieten und Lebenshaltungskosten höher sind als aufn Land.
     
  12. Simtek

    Simtek Well-Known Member

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    Also besser ALG2 kassieren. :suspekt:
     
  13. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Dafür fallen die Pendelkosten weg. Alles kann man halt nicht haben, es sei denn, man subventioniert's.
    Dann bräuchte aber auch der in der Stadt einen Zuschuß für die höheren Wohn- und Lebenshaltungskosten ;)
     
  14. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Lächerlich.

    Das hiesse ja nix anderes, dass die Menschen nur arbeiten wegen der Steuererleichterung durch die Pendlerpauschale. Das glaubst ja wohl selbst nicht, dass das für den überwiegenden Großteil der Menschen zutrifft.
     
  15. Simtek

    Simtek Well-Known Member

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    Das nicht, aber die Zeiten, wo man einen Job gekommt, der mal ebend um die Ecke ist sind vorbei. Da muss man auch mal ein paar Km fahren. O.K. Vielleicht ist das in München anders ;)
    Und jedes mal Umziehen ist auch na ja, "unpraktisch"
     
  16. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Dann musste eben jene Kosten tragen - das ist doch der Punkt. Warum sollten die Dir abgenommen werden?
    Wohne ich in der Großstadt, dann habe ich den Vorteil des größeren Angebots, wohne ich in der Pampas, dann habe ich den Vorteil der günstigeren Lebenshaltung.
     
  17. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    stimmt. abschaffen die pauschale, das wäre das einzig richtige.
     
  18. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    Nee, Detti, sorum nu auch wieder nicht. Das Stichwort heisst: Besteuerung nach Leistungsfähigkeit. Und wenn ich fahren muss, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, dann bin ich eben nicht so leistungsfähig dem Staat gegenüber, als wenn ich nur über die Strasse gehen muss, bei gleichem Einkommen.

    Nicht der Staat "erstattet" mir Kosten, ich zahle weniger, weil ich Kosten habe.

    Vergleich mal mit einem Unternehmer: Der kann seine "Kosten", die er zur Erzielung seiner Umsätze hat, auch absetzen.

    So wie du argumentierst, würde das ja konsequenterweise heissen, dass der Staat mitnichten Steuern zurückzuzahlen hat, nur weil der Unternehmer keine 30, sondern 300 Euro für einen Aktenkoffer ausgibt, oder keine 300 Euro, sondern 3000 Euro für einen Computer. Von teuren Autos, die repräsentativ sein sollen, deswegen aber auch keine 15.000, sondern auch mal schnell 100.000 Euro kosten, ganz zu schweigen.
     
  19. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Und weshalb gilt das nun für die Pendelkosten und nicht für, z. B., die teurere Miete? Die schmälert ja auch die Leistungsfähigkeit.
     
  20. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Das stimmt aber gar nicht, wie rupert so schön beschrieben hat: Der Pendler hat uU sogar deutlich weniger Kosten.
     
  21. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Dafür aber auch einen höheren Zeitaufwand um die Arbeit rum.
     
  22. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    und warum sollte das doppelt belohnt werden?
     
  23. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    Hat er nicht. Mach dich mal mit dem Begriff der Werbungskosten oder Betriebsausgaben vertraut. Kosten der Unterkunft sind i.d.R. privat veranlasste Kosten und damit weder abzugsfähig, noch führen sie zu einer Kürzung anderer Betriebsausgaben, wenn sie niedriger sind als anderswo.
     
  24. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    Auch hier: Kosten der Unterkunft sind "privat veranlasst". Sagt der Gesetzgeber.
     
  25. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    nö, wozu? nur weil "der staat" sich irgendwas hindefiniert und dafür ein neues wortungetüm schafft? fakt ist, dass pendler, die in eine billige gegend ziehen, Kosten sparen (lebenshaltung + miete). also keine mehrausgaben haben, sondern ganz im gegenteil. warum soll ich denen dann auch noch das bezingeld zahlen? völlig ungerechte gesetzgebung mal wieder. Und reine Klientelpolitik. Sofort abschaffen!
     
  26. HoratioTroche

    HoratioTroche Zuwanderer

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    Was ist eigentlich mit den Pendlern, die von der Stadt aufs Land pendeln?
     
  27. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Was diskutiert man überhaupt über Abschaffung? Selbiges war geplant und wurde vom BVerfG gekippt.
     
  28. BoardUser

    BoardUser Jede Saison ein Titel! Administrator Moderator

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    Na da sprudeln aber die Einnahmen. Man stelle sich dann vor, Siemens zahlt seine Körperschaftsteuer nicht mehr auf den Gewinn, sondern auf die Summe der Betriebseinnahmen. Das wäre dann nämlich konsequent. :top:
     
  29. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Die soll der Obama holen! :D

    Oder: Die sollten mit denen, die vom Land in die Stadt pendeln den Arbeitsplatz tauschen.

    Oder: die einen sollten den anderen einen ausgleich zahlen.

    Wählt Holgy for Kanzler!
     
  30. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    BVerfG sofort abschaffen!
     
  31. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Nee, mal ehrlich.

    Da ist die Pauschale eine der wenigen verbliebenen Möglichkeiten für Otto Normalverbraucher, ein paar Euro vom Staat zurück zu bekommen und dann verlangen die, die die Chance aufgrund des Wohnsitzes nicht haben, selbige zu kippen.

    Seltsam Völkchen sind wir.