Die Lieblinge der WM

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von Detti04, 22 Juni 2010.

  1. Detti04

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    Servus,

    da die All Whites ja jetzt praktisch everybody's darling sind, mach ich hier mal einen Beitrag auf, in welchem ich die Spieler einzeln vorstelle. Natuerlich kann ich im Wesentlichen auch nur die Infos weitergeben, die ich im Netz finde, aber wenigstens kenn ich mich in der Fussballstruktur hier in der Gegend etwas aus. Mit dieser fang ich auch erst mal an:

    - Die einzige ernstzunehmende Profiliga hier in Ozeanien ist die australische A-League mit 10 Mannschaften. In dieser A-League spielt genau ein neuseelaendisches Team, naemlich die Wellington Phoenix. Ueblicherweise sind die Phoenix ziemlich scheisse, aber sie kamen in diesem Jahr nicht nur in die Playoffs, in welchen nach der regulaeren Dreifachrunde der Meister ermittelt wird, sondern dort sogar bis ins Halbfinale. Insgesamt hat die A-League Zweitliganiveau, wuerde ich sagen. Die Liga besteht uebrigens aus Franchises, d.h. Auf- und Abstieg gibt es nicht.
    - Darunter gibt es in NZ eine landesweite Meisterschaft, die New Zeland Football Championship (NZFC) mit 8 Teams. Wieder eine Liga aus Franchises ohne Auf- und Abstieg, aber auf deutlich niedrigerem Niveau; in dieser Liga lebt laengst nicht jeder Spieler vom Fussball. Das Niveau dieser Liga ist 3. Liga, bestenfalls.

    Nun also zu den Spielern:

    Mark Paston (33, Wellington Phoenix)
    Mark Paston ist eigentlich der 2. Torwart, aber die sonstige Nummer 1 Glen Moss (27, Melbourne Victory, A-League) handelte sich im letzten und voellig bedeutungslosen Quali-Spiel in Ozeanien eine Sperre fuer 4 Pflichtspiele ein. Aus diesem Grund stand Paston in den Playoffs gegen Bahrain im Kasten und rettete mit einem gehaltenen Elfmeter den All Whites die Qualifikation fuer Suedafrika. Moss waere uebrigens gegen Paraguay wieder einsetzbar, aber ich geh mal davon aus, dass nicht gewechselt wird.

    Ryan Nelsen (32, Blackburn Rovers)
    Nelsen ist nicht nur Kapitaen der All Whites, sondern auch der Rovers. Somit spielt Nelsen in der Premier League und ist wohl der hoechstklassige Stammspieler unter allen All Whites. Ist der absolute Chef der Mannschaft und praktisch unverzichtbar.

    Winston Reid (21, FC Midtylland, Daenemark)
    Reid kam erst nach erfolgter Quali zum Team dazu, weil man nach erfolgter Quali natuerlich auf Suche nach weiteren Spielern mit neuseelaendischen Wurzeln ging. Reid ist gebuertiger Kiwi, wanderte aber im Alter von 10 Jahren mit seiner Mutter und seinem daenischen Stiefvater nach Daenemark aus. Angeblich waren schon vor der WM italienische Klubs an ihm interessiert, was ich nachvollziehbar faende.

    Tommy Smith (20, Ipswich Town, englische 2. Liga)
    Smith kam, wie Reid, erst nach erfolgter Quali zum Team dazu. Er hat bei Ipswich (noch?) nicht wirklich den Durchbruch geschafft und wird deshalb dauernd an Klubs in niedrigeren Ligen ausgeliehen.

    Ivan Vicelich (33, Auckland City, NZFC)
    Vicelich bildete zusammen mit Ben Sigmund die Stamm-Innenverteidigung. Inzwischen wurden die beiden jedoch durch die deutlich weniger hoelzern spielenden Reid und Smith ersetzt, aber Vicelich fand einen neuen Platz als defensiver Mittelfeldspieler bzw. 4. Verteidiger, wenn hinten mit Viererkette gespielt wird. Sein Karrierehoehepunkt waren 129 Spiele fuer Roda Kerkrade zwischen 2001-06.

    Leo Bertos (28, Wellington Phoenix)
    Bertos spielt im rechten Mittelfeld oder Rechstaussen und ist, meiner Meinung nach, zusammen mit Shane Smeltz der technisch staerkste Spieler der All Whites. Bertos hat es mal im englischen Fussball probiert, konnte sich allerdings schon auf unterstem Niveau nicht dauerhaft durchsetzen. Er kann immerhin 82 Spiele fuer Rochdale vorweisen - kennt das jemand? Schiesst meistens die Ecken.

    Tony Lochhead (28, Wellington Phoenix)
    Lochhead spielt im rechten Mittelfeld und ist meiner Meinung nach der Schwachpunkt der ersten 11. Das Problem ist: auf der Bank gibt es nur schwaechere Alternativen. Lochhead hat 2 Jahre bei New England Revolution in der MLS gespielt und es dort auf 16 Einsaetze gebracht.

    Simon Elliott (36, vereinslos)
    Elliott ist der Spielmacher und vereinslos, weil sein letzter Verein San Jose Earthquakes (MLS) seinen auslaufenden Vertrag nicht verlaengert hat. Elliott hat die meiste Zeit seiner Karriere in der MLS verbracht (224 Spiele, 11 Tore) und weist daneben auch 12 Spiele fuer Fulham auf. Wenn ich Elliott waere, dann wuerde ich direkt nach der WM meine Karriere beenden.

    Rory Fallon (28, Plymouth Argyle, englische 3.(!) Liga)
    Fallon koepfte das einzige Tor im Playoff gegen Bahrain und ermoeglichte so den netten Winterausflug nach Suedafrika. Seine Spielweise habt ihr ja spaetestens im Spiel gegen Italien kennen und schaetzen gelernt; wie gesagt, er erinnert mich stark an Leute wie Christian Woerns oder Victor Agali. Fallon spielte in diversen U-Mannschaften fuer England, konnte sich dann aber als Profi nicht wirklich hochklassig durchsetzen; dass er sich damals fuer England und nicht fuer NZ entschieden hatte, sieht er inzwischen als schlimmsten Fehler seiner Karriere an. Sein Papa Kevin Fallon war uebrigens Assistenztrainer der 82-er All Whites.

    Chris Killen (28, Middlesbrough, englische 2. Liga)
    Killen ist einer der erfahrensten Profis der All Whites, spielt aber immer nur auf dem Niveau englische 2. Liga / schottische 1. Liga und ist dabei meistens nicht mal Stammspieler. Trotzdem war er immer eines der Aushaengeschilder des neuseelaendischen Fussballs, wenn es um die Qualitaet der Spieler ging: "Wir haben Nelsen, der Kapitaen bei Blackburn ist, und Killen von Celtic Glasgow!" Ja nee, is klar...

    Shane Smeltz (28, Gold Coast United, A-League)
    Smeltz ist seit ein paar Jahren in der Form seines Lebens. Er war in den letzten beiden Jahren Torschuetzenkoenig der A-League und stellte dabei mit 19 Toren (in einer Saison mit 27 Spieltagen) bisher den absoluten Torrekord auf. Mit insgesamt 40 Toren steht er auf Platz 2 der "ewigen" Torjaegerliste der A-League. Fuer 2 Jahre hat er sich auch im englischen Fussball probiert, aber das fand - aehnlich wie bei Bertos - nur auf unterstem Niveau statt, u.a. bei AFC Wimbledon.

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    Eingwechselt wurden bisher:

    Chris Wood (18, West Bromwich, englische 2. Liga)
    Das groesste Talent im neuseelaendischen Fussball. Hofft man zumindest. Weist bisher 20 Einsaetze fuer West Brom auf, allerdings nur 1 Tor, was ja nicht so dolle fuer 'nen Stuermer ist. Mal sehen, was aus dem so wird.

    Jeremy Christie (27, Waitakere United, NZFC)
    Das hoechste Niveau, auf welchem Christie bisher spielte, war die A-League, wo er sich aber nicht durchsetzen konnte. Wechselt zur neuen Saison in die USA, naemlich zu Tampa Bay - in die amerikanische 2. Liga also. Als Cannavaro 2006 zum Weltfussballer gewaehlt wurde, haette Christie vermutlich nicht mal davon getraeumt, dass er und Cannavaro mal in einem Pflichtspiel zur gleichen Zeit auf dem Platz stehen wuerden.

    Andy Barron
    (29, Team Wellington, NZFC)
    Barron war eine der Nominierungen, fuer die Coach Rickie Herbert die meiste Kritik bekam, denn Barrons Karriere ist wenig glorreich. Als Highlight weist Barron 11 Spiele fuer Minnesota Thunder in der amerikanischen 2. Liga auf, hat es ansonsten aber nie aus der NZFC raus geschafft, war also selbst fuer Klubs aus der A-League uninteressant. Wobei: immerhin hat er mal in Nordirland gespielt - fuer Lisburn Distillery. Na denn Prost...

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    Der Trainer:

    Ricki Herbert
    Dass er selber Spieler der 82-er All Whites war, duerfte inzwischen bekannt sein; dass er im Hauptberuf Coach der Wellington Phoenix ist, vielleicht auch. Weniger bekannt duerfte sein, was Herbert als Nationaltrainer so verdient: der neuseelaendische Fussballverband leiht Herbert fuer Laenderspiele quasi von den Wellington Phoenix aus und zahlt dafuer (nach offiziellen Quellen) "etwas mehr als 50.000 NZ$ pro Jahr". In Euro sind das irgendwo zwischen 25.000 und 30.000 - wie lang Loew fuer das Geld wohl arbeiten muss?

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    Kann eine Mannschaft aus solchen Spielern wirklich das Achtelfinale einer WM erreichen? Entscheidet selbst!

    Cheers,

    Detti