Der alltägliche Rassismus

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von pauli09, 8 November 2012.

  1. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Großartig dieser Satz:„Eingetrichterte Toleranz ist vielleicht gar keine Toleranz, sondern konditioniertes Verhalten.“

    Dazu fällt mir das Gespräch der (weißen) Hauptprotagonistin mit ihren (schwarzen) Drogenproduzenten in der ersten Folge der Serie "Weeds" ein. Weltklasse. Denn Akzeptanz oder Toleranz so permanent mit politischer Korrektheit mzu verwechseln, hat schon was Faschistoides. Nicht das subjektive falsch oder richtig entscheidet, sondern eine verordnete Richtlinie.

    Deswegen toleriere ich, dulde und akzeptiere, annehme, billige oder gutheiße nicht. Ich maße mir an, selbst zu entscheiden, was ich gut oder weniger gut finde oder gar schlecht. Aber ich erkläre daraus keine allgemeingültige Doktrin. Das wäre faschistoid.
    Ich esse weiter Zigeunerschnitzel und Negerküsse, von mir aus darf der zwarte Piet der zwarte Piet bleiben. Wenn einer denselben als Diskriminierung sieht, egal ob als Rassist oder als Rassistenvermeider, beide müssen ihr Weltbild überdenken. Denn diese konsequente Vermeidung der Diskrinierung als Selbstzweck ist nichts anderes.
    Schlachten wir die Andersartigkeit nicht mehr in einem gesunden Maße aus, können wir den Humor und nicht nur den gleich zu Grabe tragen.
     
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  3. Detti04

    Detti04 The Count

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    Das ist uebrigens ein meiner Meinung nach entscheidender Punkt, der vielen nicht klar zu sein scheint. Rassist und Rassistenvermeider eint, dass sie eine Handlung immer im Kontext der Hauptfarbe betrachten - beide sind eben nicht farbenblind, wie man sich das von einem wahrhaft aufgeklaerten Menschen wuenschen wuerde. Ein paar Beispiele:

    Fuer Rassismus:

    - Ein Typ vertickt Drogen - "Na und, passiert halt in Grossstaedten."
    - Der Typ ist schwarz. - "Typisch Neger! Tun nix Gutes, Asyl, Frauen, rhabarber rhabarber"

    Fuer zwanghafte Rassismusvermeidung:

    - In einer Fernsehshow gibt es die Figur des lustigen Kaspers - "Kein Problem, ist doch lustig."
    - Dieser lustige Kasper ist schwarz - "Rassismus! Bedienung des Klischees vom lustigen Neger. Das gehoert weg! rahabarber rhabarber"

    Dabei hat En Vogue schon vor Jahren besungen, wie es geht:

    Free your mind and the rest will follow
    Be color blind, don't be so shallow




    Das gilt fuer die anderen -isten und ihre Anti-formen natuerlich ganz analog.
     
  4. Marcos

    Marcos Erfolgsfan

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    Nein. Nicht gesoffen, gelesen. Und zwar in der Printausgabe der Aachener Zeitung. Da stand, ich zitiere: "...Für die meisten Niederländer sind sie einfach freundliche Burschen, die Kinder am 5. Dezember Geschenke bringen und dafür heimlich durch rußschwarze Schornsteine in die Häuser kriechen" bla, bla, ....."Einige verzichten auf jegliche Farbe. Andere schminken sich bunt oder mit Rußflecken".
    Komischerweise befanden sich unter den Demonstranten nur wenige Menschen mit dunkler Hautfarbe, lt. Ministerpräsident Mark Mutte waren wohl „etliche Berufsdemonstranten, die bei allen möglichen Anlässen allein auf Tumulte aus seien", mit von der Partie. Könnte also gut sein, dass es sich u. a. um zwanghafte Rassismusvermeider handelt. Und drittens, hat das höchste niederländische Verwaltungsgericht, die Genehmigung für die traditionellen Umzüge erteilt, auch für die nächsten Jahre, auch mit dem schwarzen Helfer.
     
  5. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

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    Das ist - sozusagen - "der erste Schritt".

    Im zweiten Schritt wird auf beiden Seiten dann festgestellt, dass - trotz Deines wohlgemeinten Anspruchsdenkens, das ich im Übrigen sehr gut finde - eben die jeweils andere Seite nicht farbenblind ist und daraus etwas "macht".

    Dem wollen beide Seiten auf ihre Art und Weise entgegen wirken und da sehe ICH einen Vorteil bei denjenigen, die sich dafür einsetzen, keine irgendwie gearteten Klischees oder Vorurteile noch zu befeuern.
     
  6. Ichsachma

    Ichsachma J'aime soleil

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    Kannst Du meine Argumentation denn irgendwie nachvollziehen, wenn Du selbst zitierst, dass "die meisten Niederländer" eine Haltung haben und somit eine Minderheit eine andere haben kann, die man wahrnehmen sollte? Unabhängig von den "Berufsverweigerern"?
     
  7. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Mal wieder itchy-logic vom feinsten. :D

    Wer auf diskriminierende Sprache hinweist, ist in Wirklichkeit der Diskriminierer, weil er diejenigen, die die diskriminierende Sprache verwendet, diskriminiert. Der Zigeunerschnitzelsager ist also das wahre Opfer, diskriminiert von Bestmenschen. Das ist der selbe Unsinn wie die ein bisschen-Rechts-Nummer (zu Akustik Gitarre geträllert wäre das allerdings zur Zeit ein garantierter Hit!), die Antirassisten zu Rassisten macht.

    Erinnert auch ein Wenig an 1984 von Orwell. BIG Brother nutzt auch eine Art von itchy-logic:
    Krieg ist Frieden“, „Freiheit ist Sklaverei“, „Unwissenheit ist Stärke“!
     
  8. huelin

    huelin Quite clear, no doubt, somehow

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    Im Prinzip hast du ja recht. Trotzdem denke ich, der Rassist richtet insgesamt gesehen einfach wesentlich mehr Schaden an als der "Rassistenvermeider", wie du ihn nennst.
     
  9. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Nö Detti macht in seinem Antirassismusbeispiel einen Denkfehler. Denn esgeht ja gar nicht um das Klischee des lustigen Negers, sondern - wenn überhaupt - um eine stereotypisch abwertende Darstellung.

    Ansonsten wäre es natürlich toll, wenn die Color keine Rolle mehr spielte oder das Geschlecht oder die körperlichen Fähigkeiten oder die geistigen Fähigkeiten oder... Nur kann man das nicht durch Behauptung herstellen. Die "Farbe" spielt erst keine Rolle mehr, wenn alle Farbigen (und behinderten usw.) in der Gesellschaft gleichberechtig sind. Solange sie sie es nicht, ist auch der Gebrauch von abwertenden Begriffen diskriminierend.


     
  10. Marcos

    Marcos Erfolgsfan

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    Freilich, kann ich das nachvollziehen. Ich kann die Haltung wahrnehmen und auch ein stückweit verstehen, muss sie aber nicht abnicken und für gut befinden, erst Recht nicht, wenn versucht wird diese Haltung mit Gewalt durchzusetzen. Wie war das nochmal: Gewalt ist die Sprache der Dummen.
    Für manche ist aber wieder so, wer nicht abnickt ist gleich wieder Rassist oder hat ein nationales Weltbild.
     
  11. Gaudloth

    Gaudloth Bratze

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    Trifft jetzt vielleicht auf den Fall mit Zwarte Piet zu (keine Ahnung, hab ich mich nicht großartig mit beschäftigt), aber sicher nicht beim "Negerkuss" oder "Zigeunerschnitzel".
    Was Itchy da schreibt ist völlig krudes Zeug.
     
  12. Gaudloth

    Gaudloth Bratze

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    Du reduzierst dir die Welt auch gern auf ein einfaches Maß zurecht, nich?
     
  13. HoratioTroche

    HoratioTroche Zuwanderer

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    Das ist es dann, wenn eine weiße Figur den guten Job hat und eine schwarze den schlechten, und dann noch negativ mit Bezug auf Weiß oder Schwarz dargestellt wird. Oder umgekehrt.

    Wenn beide Jobs von weißen oder schwarzen gemacht werden, und keine guten oder schlechten Eigenschaften mit Farbe zu tun haben, dann nicht.
     
  14. Detti04

    Detti04 The Count

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    Das ist natuerlich wahr. Der zwanghafte Rassismusverweiger will sich (und den Rest der Welt) nur beschraenken, waehrend der Rassist tatsaechlich boese ist.
     
  15. Detti04

    Detti04 The Count

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    Frage ich halt wieder dasselbe wie bei Horatio: Und die waere?

    Ich habe uebrigens nicht behauptet, dass es beim Zwarte Piet um das Klischee des lustigen Negers geht. Mein Beispiel war nur ein Beispiel.
     
  16. Detti04

    Detti04 The Count

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    Nur hat der schlechte Job nichts mit der Hautfarbe zu tun, was man daran erkennen kann, dass er im Buero nebenan von einem Weissen erledigt wird.
     
  17. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Gestern im TV war ne Szene: Ein südländischer Typ (Chef?) macht im Büro seine deutschsprachige Sekretärin rund, weil die zu blöd sei um die Blumen zu gießen oder um was für eine Aufgabe es sich auch handelte.

    Da würde ich nie auf die Idee kommen zu sagen der Typ sei ein Rassist, sondern vermutlich schlichtweg nur ein Arschloch als Chef. ;)
     
  18. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Ich frage mich ja, warum denn niemand darauf eingeht, was Betroffene in den Niederlanden äusserten, wie es ganz easy auf wikipedia nachzulesen ist.

    Wie soll man sich denn nun dazu äußern? Stellen die sich schlicht zu mimosenhaft an? Sollen sie sich halt besser anpassen und sich ein dickeres Fell zulegen?
     
  19. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Das ist jetzt echt lustig. Hat wirklich noch keiner zu mir gesagt...
     
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  20. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Ich hab auch nicht behauptet, dass Du das behauptet hast. Und zum Zwarte Piet hab ich gar nix geschrieben, sondern lediglich zu deinem Beispiel.

    Zur ersten Frage: Kommt auf den Einzelfall an. Absurde Beispiele dafür zu erfinden führt nicht weiter.
     
  21. HoratioTroche

    HoratioTroche Zuwanderer

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    Kommt drauf an, ob er die Unfähigkeit mit ihrer Herkunft verbindet oder nicht.
    Eigentlich nicht schwer.
     
  22. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Damit hast Du natürlich recht. Aber wie Einstein schon sagte, man kann Probleme nie mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.
     
    pauli09 und Oldschool gefällt das.
  23. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Rassissmus zu bekämpfen als Einschränkung zu sehen, ist natürlich auch lustig.
     
  24. GaviaoDaFiel

    GaviaoDaFiel Last Dino Standing

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    Oder ihrer Haarfarbe. Dann wären wir wieder beim Ausgangsthema.
     
  25. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Neues aus dem Land der Zigeunerschnitzel. Die Friedrich Ebert Stiftung erkundet regelmäßig die rechtsextremen Einstellungen der Schnitzelländer: www.fes.de/rechtsextremismus/pdf/Vom_Rand_zur_Mitte.pdf

    Nicht tatsachenresitente und Leute mit Offenheit für Neues (falls sie das noch nicht kennen) können ja mal einen Blick riskieren. Mit dabei u.a. auch Einflussfaktoren auf rechtsextreme Einstellungen und mögliche Schutzfaktoren (Kapitel 4) - also was könnten Ursachen für Rechtsextremismus sein und welche Faktoren sorgen dafür, das jemand keine rechtsextremen Einstellungen entwickelt (Kapitel 4):


    4.1 Deprivationskonzepte ....................................................................86
    4.2 Lebenszufriedenheit .......................................................................94
    4.3 Erziehungsverhalten ......................................................................98
    4.4 Persönlichkeit ...............................................................................103
    4.5 Depression ...................................................................................107
    4.6 Angst ............................................................................................109
    4.7 Resilienz ......................................................................................111
    4.8 Selbstwert ....................................................................................112
    4.9 Zusammenfassung der Untersuchung der Gruppe mit
    rechtsextremen Einstellungen ......................................................113
    4.10 Psychologische Einflussfaktoren für die Ausprägung der
    sozialen, wirtschaftlichen und politischen Deprivation ...............115
    4.11 Einflussfaktoren für die Ausprägung
    rechtsextremer Einstellungen .......................................................122
    4.12 Mögliche Schutzfaktoren .............................................................127
    5. Kapitel – Persönlichkeitstypen und Rechtsextremismus ............131
    5.1 Typen
     
  26. Marcos

    Marcos Erfolgsfan

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    Ich finde viel lustiger, wer das sagt. Das finde ich sogar urkomisch.
     
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  27. Marcos

    Marcos Erfolgsfan

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    Gibt keine Lösung. Manche sehen in der Person den "lustigen Burschen, der den Kindern Geschenke bringt". Andere wiederum laben sich am miesen Image des schwarzen Kinderbestrafers und Sklaven, finden also Rassismus vor, der weg gehört. Darum geht es doch wohl. Wie soll man es nun wen Recht machen?
    Man könnte sich ja in der Mitte treffen und die (Gesichts)Farbe weglassen und ihn stattdessen schwarz einkleiden.
     
  28. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Haarfarbe, ja. Gutes Thema. Ich habe da über die Jahre die Entwicklung von blond zu braun zu vornehmlich hautfarben. Sprich die Entwicklung vom Arier zum Rassismusbetroffenen zur Glatze. Itchylogic betrachtet vom Rassisten zum Rassistenvermeidungsrassisten zum Hardcorerassisten.

    Menno, bin ich mir treu in meinem vereinfachten Weltbild.
     
  29. Itchy

    Itchy Vertrauter

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    Ich vereinfachender Geist habe mir die Studie im Überflugmodus angetan (mehr kann ich nicht). Schlussfolgerung: Ganz viel in diesem vermeintlich rechtsextremen Spektrum ist nicht der ideoligischen Überzeugung, sondern dem Bedürfnis nach einfachen Antworten, somit einfachen Feindbildern geschuldet. Sei Dummheit, Ignoranz, Einfachheit, Faulheit oder Unbildung daran schuld. Hätte ich jetzt die Chance dem linksextremen oder Rassismusvermeidungsspektrum eben diese nicht zumindest partiell zuordnen zu müssen, ginge es mir auch ein gutes Stück besser.
     
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  30. HoratioTroche

    HoratioTroche Zuwanderer

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    Oder Augenfarbe. Das Diskriminierungsmerkmal kann ja erstmal egal sein. Waren auch schon mal Nasen- oder Kopfform.
     
  31. Detti04

    Detti04 The Count

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    Ich glaube nicht, dass man das so sagen kann, denn das Diskriminierungsmerkmal war natuerlich das Judentum einer Person. Nasen- und Kopfform waren nur ein (angebliches) Erkennungsmerkmal.