BuLi nach dem Bayern-GAU

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von GaviaoDaFiel, 2 Mai 2008.

  1. GaviaoDaFiel

    GaviaoDaFiel Last Dino Standing

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    Jetzt sind mal so 24 Stunden nach dem gestrigen Bayern-GAU rum. Kurios – der Stachel sitzt diesmal tief, wenn man sich die Reaktionen im Forum so durchliest. Irgendwie verstaendlich, denn wie erklaeren, was geschehen ist ? Schliesslich wurde man nicht von klangreichen Schwergewichten wie ManU, Milan, Arsenal oder Barca abgeklatscht, sondern von einem Team der zweiten europaeischen Garnitur, voller No-Names und in der Hand eines Coaches, der mit Gladbach abgekackt ist. Da gehen einem schon mal die relativierenden Worte aus und reagiert zickig auf die Haeme. Oder eben ganz drollig wie die DFCB-Vereinsoberen, die froh sind, dass sie den laestigen Loser-Cup losgeworden sind, weil sie eh in die CL gehoeren. Na denn.

    Wie erklaeren ? Man hat kraeftig investiert, auf einen alterfahrenen Coach gewettet, die nationalen Wettbewerbe so ziemlich nach Belieben dominiert (wenn man die traditionelle Spaetherbstschwaechephase mal aussen vor laesst).

    Nun, zu ersteren, Geld hilft auf alle Faelle, garantiert aber nichts. Was hier so gerne warnend bzg. Z.B. Chelsea zitiert wird, gilt wohl in gleicher Muenze fuer den DFCB. In diesem Falle aber wahrscheinlich, dass noch um einiges mehr nachgebessert werden muss, als urspruenglich vermutet. Bzw. muss man sich als Bayern-Cheffe durch den Kopf gehen lassen, wie man bestimmte Investments einsetzt, insbesondere, wenn es um juengere Jahrgaenge geht (Breno vs. Lucas, Bojan, Pato, Gio, etc., etc.).

    Zu zweiterem, im Prinzip schon im Vorfeld geloest. Klinsi wird ersteren Punkt am Hals haben.

    Zu letzterem: Aeusserst unschmeichelhafte Situation fuer die BuLi, wenn diese Bayern SO dominieren duerfen. Meine Position zu Bremen ? Schoenspielende und tragische Loser als Kult ist zwar schoen, beschraenkt Dich aber letztendlich auf eine gefaehrlich gemuetliche Nischenfunktion, in der man vor sich hindaemmern kann. Reicht zwar immer irgendwie fuer Oly-maessige CL-Teilnahme, aber soll es das gewesen sein ? Die Schalker verschanzen sich ja schon seit Jahren hinter ihrer versoffen-schwammigen “Geilheit des Klubs”, da sonst nicht viel vorzuzeigen ist. Ueber den Rest das Tuch des Schweigens. Sporadisches Aufflackern ist huebsch, mehr auch nicht.

    Nette Nuance: Einige Bayern-Fans scheinen sich (teilweise trotzig) mit der Dominanz auf nationaler Ebene zufrieden zu geben. Per se, OK. Nur dann bitte nicht internationale Topteams als Referenz verwenden, um die eigene Qualitaet hervorzuheben. Schliesslich duerfte ein 1. FC Elefantentritt Pnom Penh auch immens zufrieden sein, wenn sie jedes Jahr das kambodschanische Double holen.

    Im Grossen und Ganzen: Yep – wirtschaftlich rock ´n rollt die BuLi. Sportlich ? Kurz vor der ersten Playoffrunde hiess es ja, wie kraeftig die Liga ist (und eigentlich schon immer war): 5 Teams in der UEFA, zumindest eines in der CL.
    Davon kam eines in eines der HFs. Ausgeschieden wurde gegen Rangers, Benfica, 2x Petersburg, Leverkusen (OK, irgendein deutscher musste fliegen), und , ja – OK, Barcelona…mit dem formschwaechsten Team in Jahren. WG keine gloriose Bilanz, um Topansprueche zu stellen.

    Nun gut, der selbstreferentielle Zirkus ist in der 31. Runde…
     
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  3. NK+F

    NK+F Fleisch. Moderator

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    Mir gefällt die Bundesliga so wie sie ist.
    Hoffentlich kommen auch in den nächsten Jahren keine Oligarchen und kaufen Clubs auf.

    Für den internationalen Erfolg haben wir in naher Zukunft ja die TSG.
     
  4. GaviaoDaFiel

    GaviaoDaFiel Last Dino Standing

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    Keine Angst. Das werden sie in Kambodscha auch nicht....
     
  5. NK+F

    NK+F Fleisch. Moderator

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    Das beruhigt mich.
     
  6. Markus0711

    Markus0711 Well-Known Member

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    Das Geheimnis lautet: "An der nationalen Konkurrenz wachsen"
    Du (Gaviao) hast es selbst angesprochen. Solange der FC Bayern national spazierengeht, wird es international schwer wieder zu alter Stärke zu kommen. Ohne nationale Konkurrenz fehlt der Druck im Training 110% zu geben. Wenn dann Champions-League oder Uefa-Cup kommt, kann man einfach nicht mehr kurz den Hebel umlegen...

    Die bayrische Transferpolitik haben wir schon oft durchgekaut. Aber genau da liegt für mich der Schlüssel. Vielleicht muss der FC Bayern hier etwas abwartender agieren und den Gegnern mehr Zeit geben sich aufbauen zu können.
    Vielleicht riskiert man so einmal den sonst sicheren Meistertitel. Aber auf diesem Weg könnte es funktionieren, dass das Niveau der Liga steigt und so die "Spitzen" der Leistungskurven auch erreicht werden.

    @ NKF:
    Mir gefällt die Bundesliga auch. Mit mehr Tempo und höherer spielerischer Qualität wärs einfach noch schöner...
     
  7. DavidG

    DavidG Guest

    So wie in England kanns ja nicht werden. Hier gibts ja (noch) die 50+1 Regel ...
     
  8. Detti04

    Detti04 The Count

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    Naja, Sperber, man sollte bei der Bewertung der Saison aber zwei Sachen nicht vergessen:
    - Bayern musste ausnahmsweise mal nicht in der CL spielen. Wenn sie das im naechsten Jahr wieder muessen, wird sie das sicher wieder ein paar Punkte kosten, wenn auch vielleicht nicht ganz so viele wie Bremen, Schalke oder die anderen Gelegenheitsteilnehmer.
    - Auch Dank des ersten Punktes hat Bayern einen perfekten Saisonverlauf erwischt. Sie haben von Anfang an die Tabelle angefuehrt und hatten dann am 9. Spieltag (als die CL gerade den zweiten Spieltag absolviert hatte) schon 6 Punkte Vorsprung vor dem ersten ernstzunehmenden Verfolger Bremen. (Dazwischen stand noch der KSC mit 5 Punkten Rueckstand, aber der war ja nicht erntszunehmender Konkurrent um den Titel.) Fuer die Bayern ist es dann sehr einfach, zu spielen - vor allem, wenn sich die Kleinen der Liga (und nicht nur die) Dank der Ribertoni-Superstars-Berichterstattung vor den Spielen gegen Bayern in's Hemd machen.

    Kurz und gut: dass Bayern in dieser Saison deutlich Meister wird, heisst noch lange nicht, dass sie auch im naechsten Jahr wieder Meister werden. Vor 2 Jahren waren sie auch Meister mit 75 Punkten und wurden im Jahr drauf doch nur Vierter.

    Und was internationale Erfolge angeht: fuer den Gewinn der CL sind alle deutschen Teams zu schwach. Alle deutschen Teams brauchen Glueck, um in's CL-Viertelfinale zu kommen; der Unterschied zwischen Schalke und Bayern ist, dass Bayern weniger Glueck braucht. Oder in Kurzform: der Unterschied zwischen Bayern und (sagenwamal) ManU ist groesser als der zwischen Schalke und Bayern.
     
  9. Markus

    Markus Ein Bayer, der nicht mehr Schwabenland ist.

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    @GaviaoDaFiel

    Deiner Analyse kann ich im Großen und Ganzen zu stimmen. Ich seh's leider ähnlich.

    In den 90iger Jahren sind Bayern und Dortmund an ihrer Konkurrenz gewachsen und haben entsprechend stark auch auf europäischer Ebene kräftig mitgemischt.
    Seitdem hat sich einiges geändert. Leider. Und diese Zeiten werden nicht so schnell wieder kommen.

    Insgesamt muss man sich die Strategiefrage stellen:
    Soll die Bundesliga national interessant sein - mit den Konsequenz, dass sie sportlich im internationalen Vergleich (wahrscheinlich) nicht mithalten kann oder soll man den Bundesligavereinen die Möglichkeit eröffnen, international mithalten zu können, mit der Konsequenz, dass die Unterschiede und Leistungsmöglichkeiten innerhalb der Bundesliga sich deutlich vergrößern.

    Ich weiss nicht was, spannender ist:
    eine Bundesliga, in der es insgesamt einigermaßen spannend zugeht, aber wo Bayern in 10 Jahren 7x Deutscher Meister wird
    oder
    eine Bundeslia, in der es ähnlich große Leistungsunterschiede zw. den Top 4 und den Last 4 gibt wie in England oder Spanien, aber mit Clubs, die internationale Topstars und -trainer bezahlen können und auf europäischer Ebene aus deutscher Sicht für mehr Spannung sorgen.

    Bei mir hat in den letzten Tagen eine Meinungsänderung stattgefunden.
    Ehrlich gesagt, ich fand die Bundesliga in den 90iger interessanter als jetzt.
    Die Zeiten haben sich zuletzt zu Ungunsten der Bundesliga entwickelt - siehe auch 5-Jahreswertung.

    Ich bin dafür, dass sich die Bundesliga der Konkurrenzsituation zu den spanischen, italienischen und englischen Ligen stellt und die Strukturen und Regulalieren ändert.
    Sicher hat dies auch einige negative Effekte - auch gerade für die Fans.
    Aber eine nicht-spannende Meisterschaft und ein ständiges Abkacken auf europäischer Ebene ist auch nicht sooo interessant.

    Von den folgenden Vorschlägen erwarte ich, dass zumindest Bayern, Schalke und Dortmund, eventuell auch Bremen, Hamburg und Hertha massiv davon profitieren könnten:
    1.
    Änderung der 50 + 1-Regelung auf 25 + 1 (Sperrminorität) -> durch werden die Fußball-AGs u. -KGs für Investoren interessant, gleichzeitig behalten die Clubs die Möglichkeit unliebsame Änderungen zu blockieren.
    2.
    Ende der Zentralvermarktung der Bundesliga
    Die Vereine sollten die Möglichkeit haben (zusätzlich) die eigenen Spiele zu vermarkten. Insgesamt muss die Bundesliga fernsehgerechter werden.
    Ich weiss, dies wird zu einer weiteren Zerstückelung des Spieltags führen - was für den Stadiongänger an sich Sch*** ist - aber kräftig Kohle bringt.
    3.
    20 Bundesligavereine anstatt 18
    4.
    Keine Winterpause mehr


    Ich muss auch sagen, dass ich insgesamt auch froh bin, dass Klinsmann zu Bayern kommt und neue Ideen mitbringt.

    Dass die deutschen Städte zu lanweilig sind, um Topstars anzuziehen, glaube ich nicht, denn Liverpool und Manchester sind auch nicht die Topstädte und das Essen dort ist sicherlich auch nicht besser als bei uns.


    So jetzt zerreißt mich! :huhu:
     
  10. BärVomBorsigplatz

    BärVomBorsigplatz Echt-Borusse

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    Nö,Marus.Zerreissen sollte man dich nicht.Ich finde deine Vorschläge sehr gut,bis auf die Zentralvermarktung.Die sollte bleiben.Ansonstenist die Zerstückelung des Spieltags einfach nur gut.Hier in Spanien sind viele Leute begeistert,fast das gesamte WE mit Live-Fußball zu verbringen.

    Noch ein kleiner Ansatz von mir.Wirtschaft,Sponsoren und vor allem Medien sollten sich vom Bayern-Hype trennen und ihre Kohle mal dahin schicken,wo für relativ wenig Geld tolle Arbeit geleistet wird (STUTTGART,BREMEN). Dann könnte auf langer Sicht auch mal wieder dauerhafte Konkurrenz zu den Bayern entstehen,die international mithalten kann.

    Ansonsten sehe ich für die Zukunft schwarz,Verhältnisse wie in Norwegen könnten auf uns zukommen,wo es eine Spitzenmannschaft gibt und der Rest ist Schweigen.

    Wenn es jedoch so weitergeht werden in 10 Jahren die Bayern ihre 30. Meisterschaft feiern und Deutschland seine 15 jährige Abwesenheit in Euro-Finals (mal abgesehen von den Schiris und den Stadien).
     
  11. SaintWorm

    SaintWorm Bolminator Moderator

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    Wie heisst DIE Spitzenmannschaft in Norwegen denn?
     
  12. DavidG

    DavidG Guest

    Rosenborg Trondheim :lachweg::lachweg::lachweg:

    Das so Verhältnisse wie in Norwegen auf uns zukommen ist absurt.
    Die BL wird in den nächsten Jahren wohl eher besser als schelchter. Frankreich holen wir in der 5-Jahreswertung auch bald ein.
    Und wenn Hoffenheim kommt gehts bestimmt Berg auf^^
     
  13. SaintWorm

    SaintWorm Bolminator Moderator

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    Ich würde sagen ihr solltet euch mal über die momentanen Verhältnisse in Norwegen informieren, wuppi hat da genau den richtigen Thread für euch.
     
  14. Detti04

    Detti04 The Count

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    Nur noch als kleine Anmerkung zu den deutschen Chancen auf den Gewinn der Champions League: man sollte - wenn man mit frueheren deutschen Erfolgen vergleicht - nie vergessen, dass es heute viel, viel schwerer ist, die CL zu gewinnen. Selbst beim BVB-Sieg 1997 war es noch einfacher als heute, da lief es naemlich so:

    - in der Gruppenphase musste Dortmund gegen Atletico Madrid, Steaua Bukarest und Widzew Lodz ran (da kaem auch heute noch jede deutsche Mannschaft zumindest als Zweiter weiter)
    - dann ging es sofort ins Viertelfinale, und zwar gegen Auxerre (ich wuerde sagen, da standen die Chancen 1:1)
    - Halbfinale war dann gegen ManU (da war Dortmund dann zum ersten Mal Aussenseiter, denk ich)
    - Finale gegen Juve (mit Dortmund als deutlichem Aussenseiter)

    Bis zum Halbfinale musste Dortmund also keine grossen Heldentaten vollbringen. Das, was Dortmund damals leisten musste, um ins Halbfinale zu kommen, musste Schalke in dieser Saison leisten, um das Viertelfinale zu erreichen: eine Gruppenphase ueberstehen und sich in einer KO-Runde gegen eine etwa gleichstarke Mannschaft durchsetzen. Allerdings waere es bis zum Finale fuer Schalke eben eine Runde mehr gewesen, als es fuer den BVB war.

    Richtig uebel wirds, wenn man sich mal die Abfolge der Gegner in den 80-ern anschaut, wo bis zum Halbfinale oft nur Eierschaukeln angesagt war. Z.B. Bayerns Weg ins Landesmeisterfinale 1981/82:
    Oesters IF - Benfica (immerhin) - Universitatea Croiva - ZSKA Sofia - Finale dann verloren gegen Aston Villa
    Bei solchen Gegnern haette es in dieser Saison selbst der VfB bis ins Finale geschafft.