B**D = Gift fuer den deutschen Fussballnachwuchs ?

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von GaviaoDaFiel, 30 Oktober 2007.

  1. GaviaoDaFiel

    GaviaoDaFiel Last Dino Standing

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    Oder mal so gefragt – wieviel Druck halten deutsche Top-Nachwuchspotentials aus ?
    Podolski ist seit ueber einem Jahr in einem Loch. Schweinsteiger steht in der Kritik, und derzeit faengt schon der Kroos-Hype an. Das naechste Opfer ?

    Zufaelligerweise sind die alle beim FCB taetig; lassen wir diesen Faktor mal aussen vor.
    Habe prinzipiell den Eindruck, dass Jungprofis in DEU einen ziemlich schweren Stand haben & nicht so recht auf den oeffentlichen/Medien Druck vorbereitet werden. Sie legen oftmals eine unbekuemmerte erste Saison hin & schmieren dann ab – manchmal auf laengere Zeit.

    Ich versuche, dass mal (soweit wie moeglich) mit dem Nachwuchs hier unten in Brasilien zu vergleichen, der mit diesem Druck im Schnitt besser zurecht zu kommen scheint. Nicht so ganz einfach, signifikante kausale Unterschiede festzustellen.

    Fandruck, Existenzdruck, Konkurrenz…geht bei beiden alles in dieselbe Richtung. In DEU hat ueber lange Jahre auf dem Rasen eine Platzhirschmentalitaet, weiss aber nicht, ob das hier unten besser ist. In DEU ist der Spieler heute ein Held, morgen ein Depp. Auch nicht anders hier unten.

    Sehe jedoch zwei interessante, untereinander verbundene Unterschiede wie folgt:

    (1)Regionalitaet

    DEU ist geographisch ein kleines Land. Die Fussballszene ist ziemlich homogen, mit mehr oder minder denselben, dominierenden Vereinen. Brasilien ist extrem gross, das Gros der Fussballszene ist auf mehrere, regionale Schauplaetze verteilt (Sao Paulo, Rio de Janeiro, Belo Horizonte, der Nordosten, der Sueden), die ihre eigenen Characteristiken haben und sich praedominant um sich selbst interessieren. Einziger Verbindungspunkt: Nationale Meisterschaft und NM.

    (2) Medienlandschaft

    In DEU gibt es dieses eine, uebergeordnete Blatt namens B**D, dass anscheinend als nationals Sprachrohr gerne Spieler in den Himmel jubelt, um sie dann ins tiefste Tal zu stuerzen. Aufgrund Punkt (1) koennen die einen verdammt grossen Druck ausueben, und tun es auch.

    In Brasilien existiert sowas wie B**D nicht. Der Druck, den die Schriftpresse ausueben kann, ist bestenfalls regional. Es gibt keine grosse, ueberregionale Zeitung hier unten.
    Und zudem noch – durch den niedrigen allgemeinen Bildungsstand wird Information auf nationalem Level prinzipiell ueber TV vermittelt. Die Sender haben hier allerdings (a) kaum Zeit, sich auf Fussballnachwuchs zu konzentrieren, und (b) aufgrund regionalspezifischer Zuschauerinteressen und ein Uebermass an talentierten Nachwuchsspielern kaum die Moeglichkeit, sich einen spezifischen Spieler auf Dauer rauszupicken, so wie es B**D tut.

    In diesem Sinne sehe ich den Druckkochpott hier unten als weitaus milder an als in DEU.

    Die Argumentation ist sicherlich polemisch, man kann sie sich aber mal durch den Kopf gehen lassen…
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10 September 2013
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  3. Detti04

    Detti04 The Count

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    Spontan wuerde ich sagen, die Masse macht's. Weil hier jeder Juengling, der es tatsaechlich schafft, sich in 'ne Mannschaft zu spielen, eher 'ne Ausnahme ist, wird er natuerlich betrachtet wie ein mittleres Weltwunder. Das ist natuerlich speziell dann der Fall, wenn er sich bei 'ner guten Mannschaft (insbesondere bei den Bayern) durchsetzt. Solche Faelle gibt's pro Saison ja auch nur wenige; zusaetzlich ist auch nicht jeder Spieler vermarktbar.

    In Brasilien scheint mir (auch Dank Deiner Beitraege) sowas aber eher der Normalfall: wegen der permanenten Abwanderung etablierter Spieler nach Europa (oder in den Rest der Welt) ist es vermutlich viel normaler, dass heute jemand Stammspieler bei den Profis ist, der letztes Jahr noch ein der Allgemeinheit unbekannter Spieler in der A-Jugend war. Wenn jede Mannschaft (also auch die guten) jedes Jahr 2 oder 3 von der Sorte hat, dann ist es eben nicht mehr sonderlich sensationell.

    Abgesehen davon: obwohl die BILD natuerlich schon ordentlich Meinung machen kann, wird in Deutschland Information inzwischen auch in erster Linie ueber das TV uebermittelt. Die BILD mag teilweise die Richtung vorgeben, richtig Dampf bekommt 'ne Kamapagne aber erst dann, wenn die (Boulevard)-Magazine des Fernsehens auf das Thema anspringen. Ich glaube, gerade der Poldi&Schweini-Hype ist eher ein TV-Phaenomen; wie haetten die beiden sonst Lieblinge der ganzen Kiddies werden koennen? Die Kiddies werden ja wohl keine regelmaessigen BILD-Leser sein, wuerd ich mal tippen; womoeglich waren hier zusaetzlich zum TV eher die Bravo und Micky Maus schuld.
     
  4. Markus0711

    Markus0711 Well-Known Member

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    Ganz so einfach darf man sich es meiner Meinung nach nicht machen. Sicherlich ist die Bild-Zeitung ein Meinungsbildner der deutschen Gesellschaft geworden. Gerade der Sportbereich ist einer der Gründe, warum (auch ältere) Leute die Bild kaufen...

    Die TV-Welt (da geb ich Detti uneingeschränkt recht) spielt eine sehr wichtige Rolle. Besonders die Spieler vom FC Bayern stehen ja unter dem Dauer-Fokus der Kameras. Wenn man sieht, was nur das DSF jede Woche an Bayern-TV-Sendungen rausballert, da muss man ja irgendwann in ein Loch fallen. ;)

    Dennoch spielt für mich auch der Verein eine wichtige Rolle - die Psyche der Spieler ist doch immer wichtiger geworden (wer hat gesagt, dass 20% der Leistung die Beine und 80% der Kopf ausmacht?). Dass beim FC Bayern natürlich der Konkurrenzdruck besonders hoch ist, ist kein Geheimnis. Die Gefahr für die Spieler dass man nicht zum Einsatz kommt, ist hier größer als irgendwo anders in Deutschland.
    Poldis Abfall überrascht ja eigentlich nur begrenzt - ich erinner mich an viele Stimmen, die genau dieses Szenario nach seinem Wechsel aus Köln vorhergesagt hat. Kurioserweise hat er in der Nationalmannschaft, wo die Stammplatzgarantie bis dato bestand, deutlich besser unterwegs...

    Toni Kroos: Ein Spieler des FC Bayern muss mit der Medienpräsenz (egal ob Zeitung oder TV) fertigwerden - egal ob 17, 37 oder 57.
    Ihm würde ein Vereinsswechsel innerhalb Deutschlands sicher gut tun (von mir aus als Leihgabe). Wenn er wirklich so viel auf dem Kasten hat wie alle sagen, dann wird er sich bei den meisten Bundesligisten im Mittelfeld durchsetzen können - er sammelt Spielpraxis und steht nicht ganz so extrem im Rampenlicht

    Diese "Medien-Geilheit" kommt vielleicht in der Tat daher, dass die richtig großen Talente bei uns nicht so auf der Straße liegen wie z.B. in Brasilien - liegt aber sicher auch daran, dass der Fußball in Brasilien einen ganz anderen Stellenwert hat als in Deutschland.
    Ich in sicher kein Experte im brasilianischen Fußball - aber dort ist der Fußball schlichtweg ein Weg aus der Armut. Der normale Berufsweg ist in Deutschland deutlich leichter zu erreichen als in Lateinamerika... demnach gibt es auch viel mehr junge Leute, die in Brasilien am Strand ihre Zukunft beginnen aufzubauen -> meiner Ansicht nach mit der deutschen Vereinswelt nicht zu vergleichen...
    Wenn man jetzt sieht, dass Brasilien über doppelt so viele Einwohner hat als Deutschland, wird die Zahl an Talenten zwangweise höher und das Medieninteresse automatisch geringer...
     
  5. andon

    andon Glubbsau

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    Wie ja bereits erwähnt ist der Hauptgrund wohl doch die Quantität der Talente in Brasilien. Mehr Grundpotential (=Einwohner) + mehr Ehrgeiz (raus aus der Armut) + die größere Wahrscheinlichkeit bei ner Topmannschaft anzukommen (weil viele das Heil in der Flucht nach Europa suchen) = ne deutlich größere Anzahl an Talenten, die auf den Markt kommen.

    Sicher spielen die Medien auch ne Rolle. Ich kenn mich in Brasilien natürlich nicht so aus, aber wie viele Fernsehanstalten gibt es denn da, die Landesweit senden? Und wieviele Zeitungen, die im ganzen Land erhältlich sind? Letzteres hast du ja schon angesprochen, ist wohl eher weniger der Fall. Vielleicht liegt es auch am Niveau der jeweiligen TV-Landschaft? In DEU sind ja mittlerweile sogar die öffentlich-rechtlichen sehr boulevardesk, über die privaten brauchen wir gar nicht zu reden.

    Aber eigentlich geht es mir bei dem Thema um was anderes: Wieso gerade hier immer der FC Bayern verteufelt wird? Da gab es ganz andere Kandidaten, als jetzt Schweini und Poldi. Ich wage sogar zu behaupten, für einen Sebastian Deisler wäre es besser gewesen, früher in München zu sein. Aber das beste Beispiel wird wohl für alle Ewigkeit Lars Ricken sein, dessen Karriere lebte über Jahre hinweg von einem Tor, das er in sehr jungen Jahren geschossen hatte. Der Hype um ihn wurde selbst bei Deisler nicht wieder erreicht und seine "Männer mit Nadelstreifen" lachen jetzt über ihn.

    Beim FC Bayern dient die Konkurrenz den Jungen mehr als Schutz, denn als Druck. Während ein Poldi jetzt langsam wieder aufgebaut werden soll - und m.E. wird der auch wieder kommen - muss ein Mario Gomez weiter scheiße spielen, weil die Alternativen nicht wirklich da sind.

    Und, als letztes Beispiel, würde Toni Kroos irgendwo sonst in der Bundesliga spielen, wäre der Hype jetzt noch viel größer, weil er immer spielen müsste. Würde ihm das helfen? Vielleicht wäre er dann irgendwann einer der jüngsten Nationalspieler ever, aber was bringt ihm das, wenn er daran zerbricht?

    Also frei nach Eva Hermann: Beim FC Bayern ist nicht alles schlecht.
     
  6. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Klar, mit 17 schon in Leihgeschäfte jagen - so baut man ganz sicher Fußballer auf :D
     
  7. Markus0711

    Markus0711 Well-Known Member

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    Lieber Regionalliga spielen?
    Warum soll man die Monate und Jahre verschlafen, in denen sich die Fußballer noch massiv verbessern? Man kann auch noch 2 Jahre warten. Dann ist er 19 und hat (mehr oder weniger) gleich viel Buli-Erfahrung als jetzt.

    Das Alter spielt für mich da gar keine Rolle... :weißnich:
     
  8. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Ganz vielleicht, also wirklich nur gaaaaanz eventuell, solltest Du Dir mal Gedanken darüber machen in welcher Weise ein 17jähriger beim FC Bayern eingebunden ist, welches Umfeld ihn dort erwartet und was dort unternommen wird um da einen Teenager auf seinem Weg ins Erwachsenwerden zu begleiten. Wenn das Maß aller Dinge für einen 17 jährigen der Stammplatz bei einem Bundesligisten auf Teufel komm' raus sein sollte, dann mag's beim FCB schlecht aussehen und vielleicht würde er den vermeintlich bei einem anderen Team schneller erreichen.

    Es wäre mir ausserdem arg neu, daß die Entwicklungschancen eines Spielers von 17 Jahren im Regionalliga Kader des FC Bayern so immens schlecht wären, daß er zwei Jahre später nicht doch in der Bundesliga spielen könnte.

    Aber vielleicht hast Du ja auch recht, ob ein 17 jähriger, weit weg von zuhause, zu einem Profi-Team stößt oder ein 27 jähriger, macht dann doch keinen Unterschied...
     
  9. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Passend zu unserer Diskussion hat sich auch Uli Hoeneß zu diesem Thema geäußert:
    Da wird dummes Zeug erzählt
     
  10. odie

    odie Zeitzeuge

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    Ich finde es meist sehr übertrieben, wie in Deutschland junge Spieler in Watte gepackt werden.
    Der Spruch: "Bloß nicht zu früh verheizen!" ist ja schon Standard!
    Ich frag mich nur warum? Was überhaupt ist "verheizen"? Warum soll nicht ein 17-jähriger regelmäßig Bundesliga spielen? Was spricht dagegen?
    In anderen Ländern funktioniert es doch auch. Und nicht nur in Brasilien. Auch in England oder Spanien.
    Entweder er wächst mit seinen Aufgaben, oder er schafft es erstmal nicht. Dann kann er immernoch den "Umweg" über untere Ligen gehen.
    Aber von vornherein junge Spieler "klein zu halten", das ist mMn der falsche Weg!
     
  11. Rupert

    Rupert Je suis soleil

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    Auja, das klappt meistens ganz super, wenn junge Menschen, ohne Lobby, ohne Familienanschluß, irgendwo bei einem Verein landen und sich sofort durchsetzen sollen. So geschehen z.B. bei den ganzen Spielern des Black Stars Team.
     
  12. odie

    odie Zeitzeuge

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    Ja, die armen 17-jährigen Bengel.
    Ohne Familienanschluß, wie tragisch. Der FCB hat sicherlich aus lauter Güte und Sorge um den armen Jungen Kroos' Familie aus Greifswald nach München umgesiedelt.

    Genau das meine ich! 17-jährige sind doch keine Kleinkinder mehr.
    Wenn er das Zeug hat in der Bundesliga zu spielen, warum soll er dann nicht auch spielen? Und wenn er beim FCB keinen Stammplatz hat (wie sollte er auch), warum soll er dann nicht zu einem Verein ausgeliehen werden, wo er spielt?