Artikel: Ballack zieht positive Bilanz seiner Karriere

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von André, 25 April 2012.

  1. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Gegen Ende seiner Karriere zieht Michael Ballack, langjähriger Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, eine positive Bilanz, sieht aber einige Veränderungen im modernen Profifußball durchaus auch als kritisch an.

    20373Der Capitano - Michael Ballack (Foto: Новикова Юлия | cc by-sa)

    "Ich hatte während meiner Karriere oft das große Glück, dass ich Angebote von den besten Mannschaften Europas hatte. Ich konnte bei all meinen Vereinswechseln unter einigen Angeboten von europäischen Topklubs wählen. Das wird jetzt mit 35 Jahren anders sein", sagte Ballack dem "Zeit-Magazin".

    Auf die Frage, ob ihm in Leverkusen, wo er zuletzt, zurückgeworfen von Verletzungen, oft nicht mehr zur Stammelf gehörte, etwas gefehlt habe, sagte Ballack:

    "Früher wusste ich, wenn ich verletzt war, wofür ich kämpfe. Es war für alle Beteiligten klar: Wenn ich wieder fit bin, werde ich an die Mannschaft heran geführt, dann bin ich wieder da. Das war zuletzt anders und auch neu für mich."

    Hierarchien heute nicht mehr zeitgemäß

    Ballack weist in dem Gespräch auf einen nach seiner Meinung gewachsenen Mangel an Hierarchie im deutschen Profifußball hin:

    "Zu Beginn meiner Profikarriere waren manche Dinge einfach selbstverständlich, da gab es feste Hierarchien, auf dem Platz, aber auch im Alltag. Das gilt heutzutage nicht mehr als zeitgemäß", sagte Ballack.

    Eine "gewisse rohe Komponente" gehöre zum Fußball dazu. Oft habe es, beispielsweise zur Pause in der Kabine "gescheppert". In solchen Situationen habe man als Spieler gemerkt, "oh, du ziehst jetzt besser den Kopf ein und gehst raus auf den Platz und gibst so was von Vollgas".

    Die Stunde des Oliver Kahn

    Wenn es bei seinem früheren Verein Bayern München in der ersten Hälfte nicht richtig gelaufen sei, "schlug die Stunde von Oliver Kahn. Da ist der ein oder andere schon mal 30 Sekunden später in die Kabine gekommen, weil er wusste, der schlimmste Teil von Kahns Wutausbruch ist schon vorbei."

    Heutzutage kämen solche Situationen seltener vor, viele Trainer handhabten das mittlerweile anders. Ohne Namen zu nennen, erklärt Ballack:

    "Zum Beispiel ist schon mal ein Trainer zu mir gekommen und hat gesagt: `Micha, schalt mal `nen Gang zurück, dein Mitspieler verträgt das nicht.` Und dann guckst du natürlich erst mal und denkst dir: Wieso? Das war doch halb so wild, wieso kann er damit nicht umgehen?"

    Zu viele Diskussionen!

    Die Zeiten hätten sich geändert, es werde auf einmal alles ausdiskutiert: "Unsere Nationalmannschaft zum Beispiel ist doch nicht deswegen so spielstark, weil permanent alles ausdiskutiert wird, sondern, weil wir zurzeit viele ausgezeichnete Fußballspieler haben," sagte Ballack.

    Auf die Frage, ob dieser Mentalitätswandel der eigentliche Grund für seinen Abschied aus der Nationalmannschaft gewesen sei, antwortete Ballack: "Das weiß ich nicht. Hierzu sollte sich jeder selbst seine Meinung bilden."
    dts Nachrichtenagentur
     
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  3. Holgy

    Holgy PTL-Meister 2011/12 Moderator

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    Das Ballackinterview aus dem aktuellen Sportstudio:

     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 9 September 2013
  4. Chris1983

    Chris1983 Well-Known Member

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    Wobei ich dem Herrn Ballack da nur beipflichten kann. Als ich vor 10-11 Jahren in die Senioren gekommen bin war immer klar, der/die Jüngste/n tragen die Bälle, die Tore. Da gab's auch ältere erfahrenere Spieler die zB mal einige Ligen höher gespielt haben. Wenn's da mal ein paar klare Worte gab wusste jeder sofort was Sache ist.

    Wenn ich mir dann heute die Jungs angucke die aus der Jugend zum Teil hochkommen: wenn zB nach dem Trainingsspiel darum geht die Tore runter zu tragen...jeder nimmt sich erstmal einen Ball und trabt Richtung Kabine. Es werden sich wohl zwei finden lassen die des machen.

    Und mal ein paar klare stramme Worte auf dem Platz oder in der Halbzeit...da sollte man manchmal besser ein paar Taschentücher mitnehmen. Klar, ist jetzt überspitzt, aber selbst in der Kreisliga gibt es dieses Phänomen was Balle im Interview beschrieben hat.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25 April 2012
  5. André

    André Foren-Capo Administrator

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    Ich finde ihn richtig klasse, den Capitano, vor allem hat er auch die Eier sich Fehler einzugestehen.
    In Sachen Ausstrahlung und Charisma wird es wohl so schnell auch keinen mehr geben, der ihm mal das Wasser reichen kann.
     
  6. DeWollä

    DeWollä Real Life Junkie

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    Schade, ich glaube mit einem Ballack in Form wäre in Südafrika mehr drin gewesen, vorallem gegen Spanien hätte er wohl keine braunen Streifen im Höschen gehabt. Aber wir hätten vielleicht gegen Brasilien nur 2:1 gewonnen und gegen England 3:2 ? Egal, er war mir in den letzten Jahren jedenfalls ein gern gesehener Fußballer und seine Erfolge können sich trotzdem sehen lassen. Vorallem war Bayern nur eine Station seiner Laufbahn, dementsprechend mußte er viel Gegenwind aushalten, ich erinnere mich noch genau welches Theater betrieben wurde, weil er fort ging.