Aachen - FCK (on Tour)

Dieses Thema im Forum "Kneipe" wurde erstellt von eckham, 26 November 2007.

  1. eckham

    eckham Mit Herzblut zurück

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    Der Samstag

    Nachdem ein Großteil unserer Reisegruppe schon am Donnerstag länger gefeiert hatte, kam ich am Freitag gar nicht erst auf die Idee, spät ins Bett zu gehen und am Samstag zu verpennen. So früh musste ich auch nicht raus, der erste Zug wurde eh erst nach 12 Uhr bestiegen. Aber wo? Fest stand nur, dass er von Mannheim nach Worms fuhr, mit Zwischenstopps u.a. in Ludwigshafen-Mitte und -Hauptbahnhof. Der Hauptbahnhof war für mich kein Thema, weil schlecht zu erreichen, blieben also noch LU-Mitte und Mannheim. Dazu ist zu sagen, dass drei meiner Mitfahrer (einer kam erst in Bingen dazu) ihre Wohnsitze sowohl in Speyer als auch in Mannheim haben und wir keinen Treffpunkt ausgemacht hatten. Also fuhr ich lieber mal nach Mannheim, nicht dass dort einer ein Wochenendticket kauft und ich in LU-Mitte auch eins. Am Bahnhof besorgte ich mir erst mal beim Subway Proviant, dann hielt ich in der Halle Ausschau nach den anderen. Am Automaten war keiner, am Schalter auch keiner. Nach ein paar Minuten ging ich wieder zum Automaten und traf dort Holger, der gerade dabei war, das Ticket zu kaufen. Das hat ja schon mal geklappt. Wo sind Chris und Alex? Keine Ahnung, ein Anruf ergab, dass sie am Ludwigshafener Hauptbahnhof dazukämen und noch keins gekauft hatten. Perfekt!

    Als sie zugestiegen waren, war die Zeit fürs erste Bier gekommen. Wobei wir es mit Bitburger Radler ruhig angehen ließen, wir hatten ja alle den Donnerstag noch in den Knochen. Das erste Umsteigen in Worms klappte fast reibungslos. Im Zug hätte nur jemand fast seinen Kasten vergessen, ein aufmerksamer Fahrgast machte uns darauf aufmerksam. Das war auch schon die größte Panne des Tages. Später widerfuhr einem Schlafsack dasselbe Schicksal, aber das wäre ja nicht so schlimm gewesen. Um allen Mutmaßungen Wind aus den Segeln zu nehmen: Beides war nicht ich. Was zu trinken hatte ich gar nicht erst mitgenommen, ich kenne meine Leute.

    Am Wormser Hauptbahnhof lief mir beim Umsteigen eine frühere Mitschülerin über den Weg. Drei Jahre nicht mehr gesehen, und dann treffen wir uns, wenn ich zum Fußball fahre. Gibts doch gar nicht! Sie besuchte ihren Bruder in Köln und war auch mit dem Wochenendticket unterwegs, so dass sie uns noch länger begleitete.

    Im Zug nach Bingen packte Alex die Karten aus. Und das waren nicht irgendwelche Karten, sondern Trivial Pursuit mit Fußballfragen. Wie kann man sich die Zeit besser vertreiben? Apropos Zeit, der Zug hatte 10 Minuten Verspätung, in Bingen hatten wir planmäßig 4 Minuten Umsteigezeit. Da musste also jemand Boris Bescheid sagen, dass er nicht in den Anschlusszug einsteigen oder aber ihn aufhalten sollte.
    Holger: "Äh Boris, wir haben Verspätung, unser Zug fährt noch ne Viertelstunde, der Anschlusszug fährt um 14:01, wart mal auf uns!"
    Boris: "14:01? Der fährt doch um 14:03!"
    Holger: "Nein, 14:01 ab Bingen-Stadt!"
    Boris: "Bingen-Stadt? Ich bin hier am Hauptbahnhof!"

    Gut dass wir drüber gesprochen hatten, sonst hätten wir uns lange suchen können. Als wir in Bingen-Stadt (weiter fuhr unser Zug nicht) ausstiegen, sahen wir schon von Weitem die roten Buchstaben auf der Anzeige am gegenüberliegenden Bahnsteig. Unsere Hoffnungen bestätigten sich, der Zug nach Koblenz kam auch 10 Minuten später. Die Frage war nur: Wie kommen wir auf die andere Seite? Eine Unterführung war weit und breit nicht in Sicht. An einer Stelle lagen Platten wie ein Zebrastreifen auf den Gleisen, andere Leute gingen dort auch rüber, wir also hinterher. Das war wohl auch so vorgesehen, sonst hätte der Zug, als er wenig später eintraf, nicht mehrmals gehupt. Schnell noch Boris gesagt, dass wir den Zug doch noch erwischt haben, und dann waren wir auch schon am Hauptbahnhof, wo er zu uns stieß. Auch er hatte Bier dabei, natürlich wieder eine andere Marke. Allein auf der Fahrt schon 4 verschiedene Marken, und die abendliche Tour durch Aachen sollte ja erst kommen. Aber Erfahrung macht bekanntlich klug, so dass ich mich mengenmäßig zurückhielt, mein Schnitt von Bieren pro Marke dürfte nur unwesentlich über 1 gelegen haben.

    Bis Koblenz hatten wir die Verspätung zumindest teilweise wieder aufgeholt, so dass die planmäßig vorgesehenen 9 Minuten Umsteigezeit für den Anschlusszug nach Köln kein Problem für uns darstellten, zumal wir nur von "Gleis 2 Süd" nach "Gleis 2 Nord" laufen mussten. An der Anzeige stand dort aber schon der Zug eine Stunde später. Sollten wir jetzt eine Stunde auf die Abfahrt warten? Als der Zug noch eine Weile stand, bevor er endlich losfuhr, kamen schon die ersten Zweifel. Ging die Uhr im Zug überhaupt richtig? Die Uhrzeit stimmte wohl, dafür hatten wir schon den 26.06.2027. Vielleicht stand deshalb auch "Führerraum" an einer Tür im Zug, in 20 Jahren kann ja einiges passieren.

    Der Zug fuhr dann aber doch recht bald los. Nervig waren nur die ständigen Gongs. Die hörten sich nicht nur so an, als wären sie aus der Zukunft, sondern kamen auch noch so oft, als müssten sie alle Halte der letzten 20 Jahre nachholen. Wenn danach aber mal eine Durchsage kam, hatte die Hand und Fuß. "Sehr geehrte Fahrgäste, Sie haben die Möglichkeit, im Zug Snacks und Getränke zu kaufen. Wir haben Kölsch und Bier." Bedarf hatten wir aber nicht, unsere Vorräte sollten für die Fahrt reichen.

    In Köln hatten wir dann eine knappe halbe Stunde Aufenthalt. Genug Zeit, um sich von meiner Schulfreundin zu verabschieden, zum Bahnsteig zu latschen und dort mal die Raucherzonen zu begutachten. Was für ein Schwachsinn! Der Rauch bleibt ja doch nicht drin, und ob die Linie zum Strafraum gehört, konnten wir auch nicht zweifelsfrei ergründen. Außerdem hält sich eh keiner dran.

    Am Zug stand zwar, er führe nach Aachen, wir wussten aber, dass wir in Düren wegen Bauarbeiten ein letztes Mal umsteigen müssten. Aber nicht in einen Zug, wie die Fahrplanauskunft der Bahn behauptete, sondern in einen Bus. Ist eigentlich auch logisch, wenn an den Schienen gebaut wird. Es wusste nur keiner so genau, wo der Bus abfuhr, so dass wir einfach mal auf gut Glück auf den Bahnhofsvorplatz gingen und die Fahrerin des ersten Busses, der dort kam, fragten. "Der hält da hinten um die Ecke." So eine einfache Antwort kann zu einem echten Problem werden, wenn man gerade Boris verloren hat, der was Dringendes erledigen muss. Halb so wild, noch auf dem Weg zum Bus fanden wir uns wieder. Selbiger brachte uns dann ohne größere Zwischenfälle nach Aachen, wo unser Gastgeber Peter schon auf uns wartete.

    Nach einem halbstündigen Fußmarsch durch den Regen zu seiner Wohnung konnte Entwarnung gegeben werden: Es war genug Schlafplatz für uns alle da. Zur Not hätte ich auch noch ein Ersatzquartier bei Bekannten auftreiben können, aber so war es natürlich einfacher. Also sagte ich denen kurz Bescheid (die waren an dem Tag eh zu beschäftigt, um uns noch zu treffen), wir informierten uns im Internet über die Bundesliga-Ergebnisse und, was fast noch wichtiger war, die Torschützen (wir haben eine comunio-Liga, der Spieltag ging dank Diego an mich), Peter und ich zogen unsere Trikots an (die anderen hatten sie schon den ganzen Tag an), und dann konnte es zum Griechen um die Ecke losgehen. Der Inhaber schaute sich die Trikots an und schüttelte jedem von uns die Hand. Klasse Empfang, aber bei einem Griechen dank Otto kaum anders zu erwarten. Das Essen (in meinem Fall Gyros mit Metaxasoße überbacken und Pommes) schmeckte ausgezeichnet. Peter, der ja nicht mitgefahren war, holte Bier um Bier auf, und im Fernsehen lief der griechische Nationalsport – Eishockey. Aber nicht lange, dann wurde auf Fußball umgeschaltet. Erst griechische Liga, dann Sportschau oder was davon noch übrig blieb. Für die 2. Halbzeit Schalke – HSV und die Abfuhr der Bayern in Stuttgart reichte die Zeit noch. Als der Inhaber bei Bastürks Tor Freudentänze aufführte, meinte einer seiner Mitarbeiter: „Warum tanzt du jetzt, du bist doch Grieche! Ich bin Türke!“

    Das nenne ich Völkerverständigung! Für den Kerl hätte man aber auch guten Gewissens Eintritt verlangen können. Er erzählte uns alles Mögliche, z.B. dass viele Alemannia-Spieler regelmäßig bei ihm essen, holte Fotos von Huub Stevens, der in seiner Kerkrader Zeit auch Stammgast war, im Lokal hervor und gab jedem von uns eine Autogrammkarte von Krontiris, von dem ich gar nicht wusste, dass es ihn noch gibt. Und er war mit uns auch einer Meinung, dass es für Niederlagen der Bayern kaum einen Ersatz gibt.
    Zitat: „Als ihr die damals am 1. Spieltag im Olympiastadion geschlagen habt, das war so geil, wenn ich damals keine Frau gehabt hätte, hätte ich die ganze Nacht gewichst!“

    Nur in der Trainerfrage gingen die Meinungen auseinander. Als die Bayern-Bank in Großaufnahme gezeigt wurde, meinte er, Hitzfeld würde bald frei, der könnte uns aus dem Keller helfen.
    Chris: „Bloß nicht, der daneben hat uns schon mal in die Grütze geritten – und das war nur sein Lehrling!“

    Alles hat ein Ende, so tranken wir irgendwann den Abschiedsouzo und machten uns auf in Richtung Innenstadt, erst in einen Irish Pub, dann in eine Billardkneipe. Auf unsere Trikots bekamen wir übrigens nur positive Reaktionen. Jeder, der uns auf der Straße oder in den Kneipen ansprach, wünschte uns viel Glück, was uns dann schon überraschte. Ein gutes Spiel wünschen ist ja noch normal, aber viel Glück? Interessieren die Aachener sich nicht für ihren eigenen Verein? Sind das alles Studenten von auswärts? Oder erregen FCK-Trikots heutzutage schon so viel Mitleid?

    In der Billardkneipe kam es dann noch besser, da lernten wir einen Lauternfan aus Aachen kennen. Die meiste Zeit verbrachten wir dort am Kicker, wo sich die Niederlage am Folgetag schon andeuten sollte, denn egal was für Teams zusammen spielten, irgendwie verlor immer rot (und da war nicht immer ich dabei). Am Ende verstauten wir mal unauffällig 8 Bälle im benachbarten Kicker :floet:

    Auf dem Heimweg holten einige sich noch einen Döner (klar, ich habe nachts um 2 auch immer einen Riesenhunger), dann stand die Wahl des Schlafplatzes an. Holger legte sich einfach so, wie er war, aufs Sofa, und ratzte ein, Boris war am schnellsten auf der Matratze. Blieben noch 3 Plätze auf dem Boden. Ich war zum falschen Zeitpunkt auf dem Klo. Als ich wiederkam, hatten Chris und Alex sich schon die (wenn auch dünne) Decke gesichert, ich musste direkt auf dem Boden schlafen.
     
  2. Anzeige für Gäste


    um diese Anzeige auszublenden!.
  3. eckham

    eckham Mit Herzblut zurück

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    Der Sonntag

    Ich wache auf. Weder Rücken noch Kreislauf melden sich groß zu Wort. Der Regen prasselt aufs Fenster (Dachwohnung). Die anderen schlafen noch tief und fest. Kein Wunder, es ist ja auch erst halb 8. Wenn ich doch unter der Woche mal „freiwillig“ so früh aufwachen würde. Was so ein harter Schlafbelag alles bewirken kann...

    Nach noch 2-3 Schlaf-Aufwach-Zyklen sah ich gegen 11 die Zeit gekommen, tatsächlich mal aufzustehen und unter die Dusche zu hüpfen. Nachdem die anderen es mir gleich getan hatten, gingen wir gegen 12 los. Mittlerweile hatte es aufgehört zu regnen, so dass die Befürchtung, das Spiel könnte ins Wasser fallen, nicht mehr bestand. Peter verstaute unser Gepäck im Kofferraum und fuhr in die Nähe des Stadions, so dass wir nach dem Spiel nur den kleinen Umweg über den Parkplatz nehmen mussten. Auch ein kleiner Umweg kann aber schon groß genug sein, wie wir später feststellen sollten.

    Das „Fußvolk“ war vor Peter am Stadion, so dass Warten angesagt war. Langsam aber sicher meldeten sich unsere Magen zu Wort, wir hatten ja noch nicht gefrühstückt. Als Peter eintraf, wurden nach Entern des Stadions (noch mit original Kartenabreißern) auch sofort die hoffnungslos überlaufenen Verpflegungsstationen aufgesucht. Und wer stand da ein paar Meter neben mir in der Schlange? Der trott! Ein Frikadellenbrötchen (kann ich nur empfehlen) und etwas Smalltalk später war dann die Zeit für das erste Getränk gekommen. Warum um alles in der Welt verkaufen die nur alkfreies Bier? So musste eben eine Cola herhalten. Ich überlegte kurz, ob ich mir jetzt oder in der Halbzeit noch ein Brötchen holen sollte, entschied mich für letzteres und machte mich auf den Weg zu meinen Leuten, die schon in den Block gegangen waren.

    Kein Schnickschnack, ein ganz schlichtes Stadion, in dem man nass wird. Das hätte man aber nicht gleich übertreiben müssen. Die Sicht hätte besser sein können, das Tor auf unserer Seite war kaum zu sehen, die Eckfahne hinten überhaupt nicht. Das hätte aber wohl anders ausgesehen, wenn wir nicht so weit außen geblieben wären, da will ich den Stadionbauern keinen Vorwurf machen. Macht 8 von 10 Punkten fürs Stadion, zu den Abzügen später mehr.

    Vorm Spiel wurden gleich 2 Vereinslieder gedudelt, eins einschläfernder als das andere. Ich weiß, unser Betzelied ist auch nicht gerade der Knaller, dafür hört sich die Stimme des Sängers nicht wie Peter Maffay an. Dann kamen die Aufstellungen. „Mit der 17 Thomas, die Axt... “ (Stehle) Habe ich von einem Stadionsprecher so auch noch nicht gehört.

    Beim FCK stand mit Opara nur eine nominelle Spitze in der Startelf. Dass Toppmöller noch Trainingsrückstand hatte, war ja zu erwarten, aber warum sitzt Jendrisek auf der Bank? Der war doch gut drauf. Mit Runström und Ziemer waren noch 2 weitere Stürmer draußen. Stattdessen stürmte Simpson neben Opara. Simpson? Wie soll das gut gehen mit einem Mittelfeldspieler neben einem Stürmer, Typ Vorbereiter? Dass es mit dem Tore schießen schwierig werden würde, deutete sich bei dieser Aufstellung schon an. Dafür ging es von Anfang an (pünktlich mit dem Anpfiff setzte auch der Regen wieder ein) vorwärts. Nach 2 Minuten scheiterte Demai an Straub, kurz danach auch Simpson mit einem Kopfball. Wie man Tore schießt, zeigte Aachen gleich mit der ersten Chance. Nach einer abgewehrten Ecke ging keiner zum Ball, Milchraum zog ab, Sippel war gegen den verdeckten Schuss machtlos. Verdammt, die Situation war doch schon geklärt!

    Kurz danach hatte Schiedsrichterin Steinhaus ihren ersten Auftritt. Simpson grätscht den Ball ins Aus, der Assistent schüttelt sich genau in diesem Moment das Wasser aus dem Ärmel und wedelt dabei lustig mit der Fahne überm Kopf rum. Steinhaus eilt herbei und zeigt Simpson die gelbe Karte. Damit war die Richtung vorgegeben, in einem Arbeitszeugnis würde wohl stehen „Sie zog ihre Linie konsequent durch“. Dumm nur, dass auf diese Linie die Beschreibung „im Zweifel für Aachen“ wohl ganz gut zutreffen würde. Gelbe Karten für die Heimmannschaft gab es schon mal gar nicht, wozu auch, die Trikots sind ja schon gelb. Wobei es auch nicht viele Anlässe dazu gab. Wenn doch, ließ sie einfach Vorteil laufen und verzichtete darauf, die Karte bei der nächsten Unterbrechung nachzureichen. Dafür belohnte sie in der Anfangsphase jeden Faller eines Aacheners mit Freistoß, und wenn der nur durch unpassendes Schuhwerk verursacht war. Mit der Zeit änderte sich das aber auch, sie ließ das Spiel dann laufen, so dass sich ein ordentlicher Kampf auf dem Rasen entwickelte. Da war vielleicht auch ein bisschen Anfangsnervosität dabei, es war wohl die größte Kulisse, vor der Steinhaus bis jetzt gepfiffen hat, die Aachener Fans waren zwar nicht laut, aber dafür heiß. Bei wirklich jeder Entscheidung gegen ihr Team, und war sie noch so klar, gab es lautstarke Proteste. Die Zeiten habe ich auf dem Betze leider nicht mehr erlebt.

    Die Stimmung im Gästeblock war dagegen eine einzige Katastrophe. Langweiliges Gesinge, null Bezug zum Spiel, Schalparade bei Rückstand statt Unterstützung der Mannschaft, selbst bei Eckbällen wurde noch was angestimmt. Dabei wäre einiges möglich gewesen, aus dem Block kam ne ganze Menge. Aber wen kümmerts, dass kein Megaphon erlaubt ist, da hocken die Heinis sich halt so auf den Zaun – und schon hören die Meisten doch wieder nur auf sie. Wen interessiert schon das Spiel, Hauptsache „wir hassen Mainz und sind im Land die Nummer 1“. Das nennt man wohl moderne Stimmung. Wahrscheinlich hat jede Kurve den Verein, den sie verdient.

    Zurück zum Spiel. Die Mannschaft steckte den Rückstand gut weg und erarbeitete sich weitere gute Möglichkeiten. Bellinghausen scheiterte frei vor Straub, Simpson wartete ebenso frei, bis sein Gegenspieler ihm den Ball vom Fuß spitzelte. Frei war er auch kurze Zeit später bei einer Flanke, nahm den Ball aber an, statt zu köpfen. Bis er schoss, war Straub längst auf dem Posten. Kein Wunder, er war ja warmgeschossen. Im Gegenzug eine Doppelchance für Aachen, aber Sippel parierte beide Male glänzend gegen Lehmann. Kurz vor der Halbzeit verletzte Milchraum sich im Aachener Abwehrgetümmel und musste raus, für ihn kam Weigelt. Das sah übel aus, so schlimm war es dann ja doch nicht. Warum die Sanis aber erst mit der Trage ankamen, als er schon draußen lag, wissen wahrscheinlich nur sie selbst.

    In der Pause suchte ich wieder die Bude zwecks Frikadellenbrötchen auf. Nach einigem Gedränge musste ich feststellen, dass bis auf ein paar Brezeln (für 2,50 Euro) nix mehr da war. Die vielen Leute im Stadion kamen ja auch so überraschend. Ich kann es ja nachvollziehen, dass es im Gästeblock aus Kostengründen für Essen und Getränke nur je eine Bude mit je zwei armen, weil mengenmäßig total überforderten Mitarbeitern gibt. Aber dass es zur Halbzeit schon nix mehr gibt, dafür habe ich überhaupt kein Verständnis. Gegen die meisten Gegner reichen die Vorräte wahrscheinlich, aber aus der Erstligasaison sollte doch ungefähr bekannt sein, wieviel man für größere Fangruppen braucht.

    Nachdem ich mich hungrig zurück in den Block begeben hatte, ging das Spiel auch schon weiter. Irgendwelche Änderungen? Nö, wozu auch? Demai und Bernier waren Totalausfälle, Simpson auf seiner Position eine Fehlbesetzung – aber wer wird denn gleich wechseln?

    Der FCK bestimmte auch zu Beginn der 2. Halbzeit das Spiel, so viele Chancen wie vor der Pause sprangen aber erst mal nicht raus. Die beste hatte Bellinghausen, als er aus wenigen Metern drüber schoss. So kam es, wie es kommen musste. Der gerade eingewechselte Vukovic marschierte nach vorn, drang in den Strafraum ein und fädelte bei Béda ein, als der ihm den Ball vom Fuß spitzeln wollte. Steinhaus zeigte sofort auf den Punkt und gab Schönheim (!) gelb. Die „Fußball ist ein Männersport“-Gesänge ließen natürlich nicht lange auf sich warten, nachdem Reghecampf verwandelt hatte. Dem Wettergott gefiel das wohl auch nicht, er schickte einen Hagelschauer runter, nachdem es eine Weile trocken gewesen war und sogar die Sonne geschienen hatte.

    Jetzt gab es auch endlich den ersten Wechsel beim FCK, aber es kam nicht etwa ein Stürmer, sondern Reinert. Das war zwar auch keine schlechte Idee, aber warum für Müller? Der hat doch noch mit die brauchbarsten Bälle gespielt. Die Mannschaft machte hinten auf, so dass Aachen zu einigen Konterchancen kam, die größte durch Weigelt. Sippel hielt aber alles. Dann sah auch Rekdal endlich die Zeit gekommen, Stürmer zu bringen, Jendrisek und Runström kamen für Opara und Bernier. Kurz danach sagte der Stadionsprecher durch, wo die Busse zum Bahnhof, von dem der Sonderzug abfuhr, abfuhren. Das war unser Zeichen, das Stadion langsam zu verlassen, schließlich mussten wir ja noch das Gepäck aus Peters Auto holen. So verpassten wir sowohl den Anschlusstreffer als auch die Einwechslung von Krontiris. Beim Rausquetschen wurde ich noch von einer Tussi dumm angemacht, weil ich es doch tatsächlich gewagt hatte, sie beiseite zu schieben, um durch zu kommen. Zum ersten Mal im Stadion oder was? Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!

    Vorm Stadion stellten sich uns erst mal ein paar Polizisten in den Weg und fragten, wo wir hin wollten. Ins Stadion natürlich. Hier ist dein Schild! „Zum Auto, das steht irgendwo da hinten.“ Dann ließen sie uns durch. Danke fürs Gespräch. Auf dem Parkplatz hieß es Gepäck aus dem Auto holen, Abschied von Peter nehmen und Schulterklopfer von Aachenern auf Grund der guten Leistung entgegennehmen. Danke, Punkte wären uns aber lieber gewesen. Zurück vorm Stadion verlor ich meine Gruppe kurz, fand sie aber schnell in einem Bus wieder. Das war knapp.

    Am Bahnhof Aachen-West warteten wir 20 Minuten auf den Zug. Super, da hätten wir uns die Hektik auch sparen können! Als er dann endlich einrollte, wurden wir fast erdrückt. Warum muss man da so ein Gedränge veranstalten wie Vieh, das aus dem Stall getrieben wird? Positiv: Wir fanden alle einen Sitzplatz. Negativ: Wir waren umgeben von Vollidioten. Hatte ich ein Stück weit erwartet, aber dass es so schlimm werden würde, konnte ich nicht ahnen. Das Normalste, was die auf der anderen Seite des Durchgangs veranstalteten, war noch der Versuch, den Inhalt eines Partyfasses in Flaschen und Dosen umzufüllen oder direkt aus dem Fass zu trinken. Schon bald wurde ihnen das aber langweilig, sie sangen jetzt ein rechtes Lied nach dem anderen. Die Polizisten, die nur eine Tür von ihnen getrennt waren, kümmerte das nicht. Einen zogen sie mal raus und unterhielten sich längere Zeit mit ihm, das war es aber auch schon. Ich hoffe, da ist wenigstens beim Aussteigen noch was passiert. Wir waren jedenfalls froh, als wir nach 2 Stunden endlich in Koblenz waren und den Zug verlassen konnten. Mit dem Gedanken hatten wir bei der Planung schon gespielt (Boris hätte da eh raus gemusst, die anderen wären durch den Umweg über Kaiserslautern auch nicht früher heimgekommen als mit den vielen Umstiegen), so fiel uns die Entscheidung nicht schwer.

    In Koblenz hatten wir eine halbe Stunde Zeit, genug um ein Ticket zu kaufen (da wir wieder in Rheinland-Pfalz waren, konnten wir mit dem Länderticket noch ein paar Euro gegenüber dem Wochenendticket sparen, wurde aber nirgends kontrolliert) und beim Mäcces endlich die zweite Mahlzeit des Tages zu sich zu nehmen. Zwischendurch trafen wir noch einen alten Bekannten aus Lautrer Unitagen, das war wohl das Wochenende der unerwarteten Treffen.

    Der Bahnhof war voll mit Karnevalisten (es war ja der 11.11.), die einen waren auf dem Weg nach Köln, die anderen wollten nach Mainz. Wir auch. Alex packte im Zug wieder seine Trivial-Pursuit-Karten aus, es war außerdem die Zeit gekommen, das letzte verbliebene Bier zu leeren. Brüderlich geteilt natürlich. Goldig, was?

    In Bingen verließ Boris uns, bald darauf waren wir auch in Mainz. Mittlerweile hatte sich auch zu uns rumgesprochen, dass das Spiel wohl 2:1 ausgegangen war. Wir trauten uns aber nicht, wen zu fragen. Sieht ja auch doof aus im Trikot. Die ersten hatten schon wieder Hunger, ein Pizzabäcker im Bahnhof schaffte Abhilfe. Im Zug passierte nicht mehr viel, abgesehen davon, dass die Gruppe sich Stück für Stück dezimierte. Chris uns Alex stiegen wieder am Ludwigshafener Hauptbahnhof aus, ich in Mitte, Holger fuhr durch bis Mannheim. Die 20 Minuten Warten auf den Bus und die Fahrt mit selbigem kriegte ich auch irgendwie rum, kurz vor Mitternacht war ich zu Hause. Um irgendwo noch eine Spielzusammenfassung zu sehen, war es natürlich zu spät, das konnte ich mittlerweile aber nach langer Suche auch nachholen. Jetzt habe ich das Tor auch endlich gesehen.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10 September 2013
  4. Monti479

    Monti479 Annemie ich kann nit mih

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    Wenn es keiner der 30.000 Studenten war, dann waren es die Verirrten. Verirrte Anhänger auswärtiger Clubs gibt es Stadt und Kreis AC reichlich.
    Außerdem sind wir Öcher sowieso nette Menschen.


    Ich sag es ja, Verirrte!


    Pech gehabt, im gesamten Stadion gibt es Vollbier, außer im Gästeblock. Ihr durftet leckers Kelts trinken. Nimm beim nächsten mal Sitzplatz, dann kriegste auch Vollbier, ist aber wohl KöPi, die fiese Plöre aus Duisbursch. :prost:


    Immer noch besser als das hier. Ein Stern, der über Aachen steht - MyVideo

    Mit dem Tore schießen hattet ihr in der Tat Schwierigkeiten.:lachweg:


    Iss doch geil, oder? Offener Stehplatz, Regen ohne Ende und obendrein noch geile Hagelschauer. Von 17 Heimspielen wirste in Aachen ungefähr 10x nass.


    Stimmt, der Typ hinter mir schimpfte schon: "Wat iss dat´en schon wieder für ne Scheisse"! Dann schlug der Ball ein. Yes!

    Och, ich fand die Stimmung gar nicht so schlecht.


    Fädelte ein ist gut. :lachweg:
    Frau Steinhaus fand übrigens sehr gut. Die beste Schirileistung die ich seit langem gesehen habe.

    Schöner Bericht, würde ich mal sagen.:top:
     
  5. Dilbert

    Dilbert Zynischer Querulant

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    Kein Wunder, dass Du dafür so lange gebraucht hast. aber das Warten hat sich gelohnt, auch wenn ich erst jetzt darüber gestolpert bin.

    :top: