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Hoffenheim: Nagelsmann unter Druck

Jung-Trainer Julian Nagelsmann hat in diesen Tagen kaum Zeit zum durchatmen, denn selbst an einem Spieltag musste der angehende geprüfte Fußballtrainer bei einer Prüfung antreten. Heute morgen absolvierte er seine Klausuren in Physiologie und Sportmedizin, bevor es dann mit der TSG 1899 Hoffenheim gegen den FC Augsburg geht und dabei wieder sehr wichtige 3 Punkte verteilt werden.

hoffenheim“Netterweise kam mir der DFB entgegen und schickt einen Dozenten hierher, deshalb kann ich vor Ort die Prüfung schreiben. Damit spare ich mir natürlich fünf Stunden Zeit, darüber bin ich sehr glücklich“, erklärte der Prüfling, der in seinen jungen Jahren schon sehr an Herausforderungen und Druck gewöhnt zu sein scheint: “Tim Bendzko singt in einem Lied: ‘Was wär das Leben wert, wenn alles einfach wäre.’ Daran halte ich mich, natürlich sucht der Mensch immer den einfachen Weg, das ist ganz natürlich. Aber wenn wir ehrlich sind und in uns reinhören, dann sind Erfolge nach schwierigen Zeiten um so schöner. Ich werde mich freuen, wenn der Fußballlehrer vorbei ist, es war keine einfache Zeit, aber trotzdem eine schöne. Auch über das Projekt Klassenerhalt werde ich mich freuen, wenn wir es geschafft haben – nach schwierigen Zeiten.”

Vor allem das Duell gegen die Augsburger könnte nun von immenser Wichtigkeit werden, denn die Fuggerstädter stecken ebenfalls noch bis zum Hals im Abstiegskampf. “Die größte Gefahr strahlen sie aus nach diagonalen Bällen, die müssen wir versuchen zu unterbinden oder sie gut zu verteidigen, um wenig über die Flügel zuzulassen”, so Nagelsmann, “und dann werden sie uns auch Möglichkeiten bieten, bei eigenem Ballbesitz Torgefahr auszustrahlen, die wollen wir nutzen.” Als weiteren Vorteil zu Gunsten der TSG sieht der junge Trainer, dass die Augsburger zuletzt mit der Euro League eine Doppelbelastung hatten und folglich nicht die gleiche Fitness besitzen könnten wie seine Kraichgauer Jungs: “Sie haben zurzeit viele Angeschlagene und können das einen Tick schlechter kompensieren als der BVB, das kann ein Vorteil sein.”

Davon sind aber auch die Hoffenheimer nicht verschont geblieben, denn zuletzt konnten unter anderem Tarik Elyounoussi (Knieprobleme) und Tobias Strobl nicht mitwirken. Sollte der zuletzt so beständige Sechser wegfallen, könnte Nagelsmann im zentralen Mittelfeld große Probleme bekommen, denn Sebastian Rudy wird mit nach seiner Roten Karte aus dem Spiel gegen Dortmund die nächsten 3 Partien definitiv verpassen. Dafür könnten dann Eugen Polanski und Pirmin Schwegler in die Startformation rücken. Letzterer wurde in den vergangenen Wochen immer wieder von einer Muskelverletzung im Oberschenkel aus der Bahn geworfen, scheint nun aber wieder einsatzbereit zu sein. “Es sah zuletzt deutlich besser aus, er bestätigt auch, dass er immer besser in Tritt kommt. Wir müssen sehen, ob das grundsätzlich für 90 Minuten reicht. Wir kommen langsam wieder dahin, dass er theoretisch wieder dazu in der Lage ist”, so Nagelsmann. Eine weitere Option wäre der Junge Nadiem Amiri, der allerdings eher etwas offensiver zuhause ist.

Die Hoffenheimer müssen wohl auch in Sachen Selbstbeherrschung noch etwas an sich arbeiten, denn durch den Platzverweis gegen Kramaric im Spiel gegen die Bremer beendeten die Kraichgauer die letzten beiden Auswärtsspiele nicht in vollständiger Besetzung. “Ein Grätschverbot werde ich nicht verhängen. Ich glaube nicht, dass es ein grundsätzliches Problem werden wird und wir uns daran gewöhnen müssen, die Spiele zu zehnt zu Ende zu spielen”, so Nagelsmann, für den das Spiel gegen Augsburg ein ganz besonderes wird, denn er selbst spielte für die zweite Mannschaft der Fuggerstädter von 2007 bis 2008 unter seinem damaligen Trainer Thomas Tuchel: “Ich habe wenig Kontakte, von den Gesichtern kenne ich schon noch ein paar, bin aber nicht in regem Kontakt. Augsburg ist ja nah an meinem Geburtsort, deshalb habe ich die Entwicklung natürlich verfolgt. Aber im Grunde ist es ein Bundesligist wie jeder andere.”

Die Vorbereitung auf Augsburg verlief derweil ebenfalls sehr akribisch, wie bereits in den Wochen seit seinem Amtsantritt: “Ich liebe solche Herausforderungen, das ist ein bisschen Nervenkitzel. Ich werde mich am Dienstagabend im Trainingszentrum verschanzen, die Rollläden zu machen und an mein Kurzzeitgedächtnis appellieren”, so der 28-Jährige vor ein paar Tagen im Hinblick auf seine Prüfungen am heutigen morgen: “Manchmal denke ich schon, so ein Fernstudium nebenbei wäre interessant, aber nein, das werde ich nicht machen, in der jetzigen Position hat man genug zu tun, da werde ich mich nicht langweilen.” 

Kategorie: Bundesliga, News Tags: ,
 
 

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